Anschlussbahn zum Flugplatz Pütnitz

Lage und Überblick

Östlich von Damgarten liegt auf der Halbinsel Pütnitz der ehemalige Militärflugplatz, der zu DDR-Zeiten offiziell als Flugplatz Damgarten bezeichnet wurde. Das weitläufige Gelände am Saaler Bodden war über Jahrzehnte einer der bedeutendsten Militärstandorte der Region. Weniger bekannt ist, dass es hier auch eine normalspurige Anschlussbahn zum Flugplatz Pütnitz gegeben hat, die vom Bahnhof Ribnitz-Damgarten Ost bis auf das Militärgelände führte.

Die Strecke ist nicht mit der meterspurigen Franzburger Kreisbahn zu verwechseln, die ebenfalls durch den Raum Pütnitz verlief. Die hier beschriebene Anschlussbahn war unmittelbar mit der Hauptbahn Rostock-Stralsund verbunden und diente vor allem der Versorgung des sowjetischen Luftwaffenstützpunkts.

Der Flugplatz Pütnitz

Die Geschichte des Flugplatzes begann im Jahr 1935. Damals entstand auf einem Teil des Gutes Pütnitz ein kombinierter Land- und Seefliegerhorst der deutschen Luftwaffe. Neben einer betonierten Startbahn wurden zahlreiche Hallen, Werkstätten und Anlagen für Wasserflugzeuge errichtet. Teile des Geländes nutzten außerdem die Walther-Bachmann-Flugzeugwerke, die in Ribnitz als Reparaturbetrieb für die Luftwaffe tätig waren. Während des Zweiten Weltkriegs wurden auf dem Flugplatz und in den zugehörigen Betrieben auch Zwangsarbeiter, Kriegsgefangene und KZ-Häftlinge eingesetzt.

Nach Kriegsende dienten einige der erhaltenen Hallen von 1948 bis 1952 der Ribnitzer Boddenwerft, in der unter anderem Fischkutter gebaut wurden. Diese zivile Nutzung blieb jedoch nur von kurzer Dauer. Anfang der 1950er Jahre räumte die sowjetische Besatzungsmacht die Werft und baute den Platz erneut für militärische Zwecke aus. Pütnitz entwickelte sich anschließend zu einem großen sowjetischen Luftwaffenstützpunkt mit Jagdflieger-, Hubschrauber-, Radar- und Reparatureinheiten.

Entstehung, Verlauf und Betrieb der Anschlussbahn zum Flugplatz Pütnitz

Nach den heute vorliegenden amtlichen Unterlagen wurde die Anschlussbahn zum Flugplatz Pütnitz ab etwa 1951 für die Versorgung des sowjetischen Flugplatzes genutzt. Damit dürfte sie im Zusammenhang mit dessen Ausbau entstanden sein. Ein bereits während der deutschen Militärzeit vorhandener normalspuriger Gleisanschluss ist dagegen bislang nicht sicher nachgewiesen.

Das Gleis zweigte am östlichen Ende des Bahnhofs Ribnitz-Damgarten Ost ab, führte in einem weiten Bogen um Damgarten und anschließend weiter in Richtung Pütnitz. Auf dem Weg zum Flugplatz wurden mehrere Straßen und kleinere Wasserläufe gequert. Innerhalb des Militärgeländes verzweigte sich die Strecke schließlich in mehrere Lade-, Abstell- und Versorgungsgleise.

Die wichtigste nachweisbare Aufgabe der Anschlussbahn war die Anlieferung von Flugtreibstoff in Kesselwagen. Darüber hinaus wurden offenbar auch Fahrzeuge, technische Ausrüstung, Baumaterial und andere Versorgungsgüter per Bahn transportiert. Wie häufig die Züge verkehrten, welche Lokomotiven zum Einsatz kamen und ob auf dem Flugplatz zeitweise eine eigene Rangierlok vorhanden war, ist bislang nicht bekannt. Auch die genaue Lage der Treibstoffentladung lässt sich heute nicht mehr sicher bestimmen.

Eine von mir bei einer Begehung im Jahr 2008 als Kohleverladung eingeordnete Anlage dürfte der Versorgung eines Heizwerkes gedient haben. Wegen der umfangreichen Treibstofftransporte muss es auf dem Gelände außerdem eine weitere Entlademöglichkeit für Kesselwagen gegeben haben. Welches der damals noch vorhandenen Gleise hierfür genutzt wurde, konnte anhand der verbliebenen Anlagen jedoch nicht mehr zweifelsfrei nachvollzogen werden.

Stilllegung und Reste der Strecke

Mit dem Abzug der russischen Streitkräfte im Jahr 1994 endete auch die militärische Nutzung des Flugplatzes. Am 11. April 1994 starteten die letzten 48 MiG-29 des stationierten Jagdfliegerverbandes in Richtung Russland. Wann der letzte Güterzug Pütnitz erreichte oder verließ, ist nicht überliefert. Spätestens mit der vollständigen Räumung des Standorts dürfte der regelmäßige Bahnverkehr jedoch zum Erliegen gekommen sein.

Die Anschlussbahn blieb zunächst liegen. Beim vollständigen Umbau des Bahnhofs Ribnitz-Damgarten Ost in den Jahren 1998 und 1999 wurde sie endgültig von der Hauptbahn getrennt. Das Gleis endete danach einige Meter vor der früheren Bahnhofseinfahrt in einem Erdwall. Weitere Unterbrechungen entstanden durch den Rückbau oder die Überbauung mehrerer Bahnübergänge. Eine durchgehende Befahrung war damit nicht mehr möglich.

In den Jahren 2006 und 2007 waren entlang der früheren Strecke dennoch noch längere Gleisabschnitte vorhanden. Auch im Bereich des Templer Baches, nördlich der B 105 und auf dem Flugplatz selbst ließen sich zahlreiche Spuren erkennen. Inzwischen sind viele dieser Reste überwachsen, teilweise beseitigt oder durch spätere Erdarbeiten kaum noch nachvollziehbar.

Bemerkenswert ist allerdings, dass das Eisenbahn-Bundesamt die Anschlussbahn zum Flugplatz Pütnitz in den Gemarkungen Damgarten, Pütnitz und Dechowshof erst im Januar 2023 von Bahnbetriebszwecken freistellte. Zu diesem Zeitpunkt war der militärische Verkehr bereits seit fast drei Jahrzehnten beendet und die Strecke seit dem Umbau des Ostbahnhofs 1998/1999 vom übrigen Schienennetz getrennt. Da darf man sich durchaus fragen, worauf die zuständigen Stellen all die Jahre eigentlich gewartet haben. Praktische Bedeutung hatte die eisenbahnrechtliche Zweckbindung längst nicht mehr; erst 2023 endete sie auch auf dem Papier. 

Die Gleisanlagen auf dem Flugplatz

Auf dem Gelände des ehemaligen Flugplatzes befand sich ein eigenes kleines Gleisnetz. Etwa einen Kilometer hinter dem damaligen Eingang lag ein Abstell- beziehungsweise Umfahrgleis. In diesem Bereich befand sich auch ein weiterer Bahnübergang. Dahinter teilten sich die Gleise auf.

Zwei Gleise führten in Richtung der mutmaßlichen Kohleentladung. Zwei weitere verliefen zunächst parallel über das Gelände, führten später wieder zusammen und endeten schließlich im hohen Gras. Bereits im Jahr 2008 war der genaue Verlauf nicht mehr überall zu erkennen. Große Abschnitte waren stark überwachsen, einzelne Schienen lagen tief unter aufgeschütteter Erde oder waren nur noch anhand von Schwellen und kurzen Schienenstücken nachvollziehbar.

Auffällig war die teilweise sehr einfache und stellenweise beinahe provisorisch wirkende Verlegung. Der Oberbau war nicht überall sauber ausgerichtet. Ob dies bereits dem ursprünglichen Zustand entsprach oder erst durch die lange Vernachlässigung, Bodenbewegungen und spätere Aufschüttungen entstanden war, lässt sich heute nicht mehr beurteilen.

Den Gleisplan habe ich anhand eigener Begehungen und Fotografien aus dem Jahr 2008 erstellt. Er zeigt den damals noch erkennbaren Verlauf. Da einzelne Bereiche bereits zu diesem Zeitpunkt nicht mehr zugänglich oder vollständig sichtbar waren, sind Abweichungen vom früheren tatsächlichen Zustand möglich.

Heutige Nutzung und Zukunft des Geländes

Seit 2003 nutzt das Technik-Museum Pütnitz mehrere historische Hallen der früheren Seefliegerstation. Dort werden zivile und militärische Fahrzeuge sowie weitere Technik aus den Staaten des ehemaligen Ostblocks gezeigt. Gemeinsam mit dem jährlich stattfindenden Ostblock-Fahrzeugtreffen sorgt das Museum dafür, dass zumindest ein Teil der Geschichte des Geländes weiterhin sichtbar und erlebbar bleibt.

Für große Teile des ehemaligen Flugplatzes plant die Stadt Ribnitz-Damgarten dagegen seit Jahren das sogenannte Bernsteinresort. Hauptinvestor des auf rund 250 Hektar vorgesehenen Ferien- und Freizeitprojekts ist Center Parcs. Die Stadt bezeichnet das Vorhaben unverdrossen als naturnahes Zukunftsprojekt. Kritiker sehen darin hingegen vor allem Massentourismus, zusätzlichen Verkehr und erhebliche Eingriffe in Natur und historische Substanz. Ganz so geradlinig, wie es die Hochglanzbilder vermuten lassen, verläuft die Entwicklung ohnehin nicht: Planung, Abriss und Altlastensanierung wurden wiederholt durch Verzögerungen, Gerichtsverfahren und Konflikte mit dem Natur- und Artenschutz gebremst. Nach dem zuletzt genannten Zeitplan soll der Bebauungsplan frühestens Ende 2026 vorliegen.

Eine ausführlichere Darstellung der Geschichte des Flugplatzes sowie Informationen zur heutigen Nutzung finden Sie auf der Internetseite des Technik-Museums Pütnitz.

Bilder der Anschlussbahn zum Flugplatz Pütnitz aus den Jahren 2006 und 2007

Bilder vom Flugplatz aus dem Jahr 2008

Die Aufnahmen zeigen die damals noch vorhandenen inneren Gleisanlagen der Anschlussbahn zum Flugplatz Pütnitz. Schon zu diesem Zeitpunkt war ihr Verlauf durch starken Bewuchs und verschiedene Erdaufschüttungen nicht mehr überall vollständig nachvollziehbar.

Gleisplan

Zustand 2008 – nach eigenen Beobachtungen erstellt. Angaben ohne Gewähr!

Quellen und weiterführende Hinweise

Eisenbahn-Bundesamt: Freistellung von Bahnbetriebszwecken, ehemalige Anschlussbahn Ribnitz-Damgarten Ost – Pütnitz, Januar 2023
Technik-Museum Pütnitz: Geschichte des Flugplatzes Pütnitz
Norddeutscher Rundfunk: Abzug der russischen Luftstreitkräfte aus Pütnitz sowie aktuelle Berichte zum Bernsteinresort
Stadt Ribnitz-Damgarten: Informationen zum Bernsteinresort Pütnitz
Eigene Beobachtungen und Fotografien aus den Jahren 2006 bis 2008