Anschluss NVA-Stützpunkt Schwarzenpfost

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Errichtung

Der Anschluss Schwarzenpfost wurde Ende der 1960er Jahre errichtet. Der Anschluss ist nicht mit dem gleichnamigen Haltepunkt des Ortes zu verwechseln. Die militärischen Anlagen lagen knapp 500 m weiter südlich des eigentlichen Ortes.

Erforderlich wurde der Anschluss, nachdem Schwarzenpfost für den Aufbau eines Tuppenübungsplatzes der Nationalen Volksarmee (NVA) ausgewählt worden war.  Stationiert war hier das 18. Küstenraketenregiment der NVA. Das Gelände verfügte über 10 Raketenkomplexe, wo Raketen vom Typ P-21 und P-22 eingesetzt worden sind. Diese hatten eine Reichweite von ca. 100 Kilometern.

Die Bauarbeiten für den Anschluss wurden aufgrund der Geheimhaltung zum größten Teil in der Nacht ausgeführt. Das Baumaterial wurde dafür teilweise in Gelbensande, teilweise aber auch direkt am Haltepunkt Schwarzenpfost abgeladen. Für den Aufbau waren die Bausoldaten der NVA zuständig, welche entweder bereits vor Ort waren oder mit entsprechenden Zügen bis zum Haltepunkt Schwarzenpfost gebracht wurden. Auch einige Soldaten der sowjetischen Truppen sollen beim Aufbau geholfen haben.

Lagebeschreibung

Der Anschluss zweigte westlich des Bahnhofes Gelbensande ab und verlief dann weiter südlich parallel zur Bahnstrecke im Wald bis nach Schwarzenpfost. Der Anschluss verfügte über einen Abschnitt, welcher für den Lokumlauf zweigleisig ausgeführt war. Die Züge von Gelbensande wurden zunächst bis in diesen Abschnitt gefahren. Anschließend musste die Lok über das zweite Gleis zurücksetzen und den Güterzug dann in Richtung Laderampe drücken, welche wieder nur eingleisig ausgeführt war. An der Laderampe in Schwarzenpfost endeten dann auch die Gleise. Kurioserweise waren die Gleise, im Gegensatz zu anderen Militäranschlüssen, nicht umzäunt. Bereits zu DDR-Zeiten wäre man ohne größere Probleme bis zu den Gleisen vorgedrungen. Allerdings standen bis Anfang der 1990er Jahre Schilder, welche ein Betreten ausdrücklich verboten. Ein Betreten der Anlagen wäre sicherlich auch nicht ratsam gewesen. Einen Gleisplan vom Anschluss finden Sie auf dem Gleisplan vom Bahnhof Gelbensande.

Betriebsgeschehen

Über den Bahnanschluss wurden hauptsächlich Versorgungs- und Materialtransporte durchgeführt. Ob der Anschluss auch für den Abtransport von Holz und anderen Forsterzeugnissen genutzt worden ist, entzieht sich meiner Kenntnis, ist aber mit einiger Wahrscheinlichkeit anzunehmen. Der Verkehr auf dem Anschlussgleis wurde nach Aussagen von Zeitzeugen immer unter großer Geheimhaltung durchgeführt. Dies führte auch dazu, dass alle Güterzüge nach Schwarzenpfost offiziell in Gelbensande endeten. Neben dem Fahrdienstleiter in Gelbensande wussten nur wenige Eisenbahner von dem Anschluss. Eine Ausnahme bildeten hier wohl die Gelbensander Einwohner, welche fast alle wussten, wohin dieses Gleis führte. Mir selbst wurde als Kind immer gesagt, dass ich „über dieses Gleis“ den Mund zu halten habe.

Auch nach der Wende wurde die wahre Bedeutung des Anschlusses zunächst verschwiegen. So wurde gegenüber jüngeren Kollegen gerne behauptet, es handle sich bei dem Anschluss um ein Gleis, welches in eines der Jagdreviere von Erich Honecker führe. Tatsächlich wurde der Wald rund um Schwarzenpfost und Hinrichshagen rein militärisch genutzt. Wenn sich die Staatsführung zur Jagd traf, endeten diese Züge in der Regel in Gelbensande.

Stilllegung und die heutige Nutzung

Mit der Auflösung des Küstenregimentes am 31.03.1991 endete auch die militärische Nutzung des Areals in Schwarzenpfost. Zunächst wurde alle verbliebene Technik auf dem Straßenweg oder per Bahn abgefahren. Dies dürften auch die letzten größeren Verladetätigkeiten in Schwarzenpfost gewesen sein. Das Gelände mit seinen großen Bunkerhallen wurde in den folgenden Jahren teilweise von der Forst genutzt, welche hier Fahrzeuge unterstellte und Pflanzgut lagerte. Nach und nach wurde das Gelände aber renaturiert und die Bunker in Fledermausquartiere umgewandelt.

Die Bahn benötigte den Anschluss zunächst noch zum Abstellen von alten, nicht mehr benötigten, Güterwagen. Ich selber erinnere mich noch gut, dass dies für uns Kinder ein einladender Abenteuerspielplatz gewesen ist. Mitte der 1990er Jahre wurden die Wagen aber nach und nach abgefahren und die Gleise waren nun verwaist. Im Jahr 2003 wurden die Gleise schließlich demontiert. Einzig die große Laderampe ist bis heute erhalten geblieben. Viele der Betonschwellen sind damals hier abgeladen worden und liegen auch nach wie vor hier.

Neben den Gleisen ist auch der gesamte Bahndamm abgeräumt worden. Anschließend wurden Bäume auf den Planum gepflanzt, so dass vom Anschluss gegenwärtig nicht mehr viel zu erkennen ist. Einzig einige umgelegte Lampen, ein Wasserdurchlass, sowie ein Streckenfernsprecher erinnern heute noch an den Anschluss. Durch die zunehmende Versumpfung des ehemaligen Gleisplanums ist eine Begehung heute (Stand 2015) kaum mehr möglich.

Galerie

An dieser Stelle finden Sie das Bildmaterial vom Anschluss Schwarzenpfost. Die Bilder beschreiben die Situation zwischen den Jahren 2004 bis 2009. Geordnet sind die Bilder entsprechend dem Streckenverlauf von der Laderampe in Schwarzenpfost bis zur Einfahrt in den Bahnhof Gelbensande. Wenn Sie weitere Bilder zur Verfügung stellen wollen, würde ich mich darüber sehr freuen. Nutzen Sie dazu einfach das Kontaktformular.