Haltepunkt Schwarzenpfost

Lage und heutige Umgebung

Schwarzenpfost ist eine kleine Siedlung am westlichen Rand der Rostocker Heide und gehört heute zur Gemeinde Rövershagen. Der Ort liegt unmittelbar an der Bahnstrecke Rostock–Stralsund sowie an der Bundesstraße 105. Südlich der Bahnlinie befinden sich ein Wohnblock und eine soziale Einrichtung. Nördlich der Strecke liegt, ebenfalls vom Wald umgeben, das Sägewerk der Firma Heideholz.

Bis Anfang der 1990er Jahre befand sich südlich der Bahnstrecke zudem ein umfangreiches Militärgelände der Nationalen Volksarmee. Zuletzt war hier das Küstenraketenregiment 18 der Volksmarine stationiert. Die Straßenzufahrt zu diesem Gelände führte direkt über den Bahnübergang am Haltepunkt Schwarzenpfost. Der militärische Gleisanschluss selbst zweigte allerdings bereits im Bahnhof Gelbensande ab und verlief anschließend parallel zur Hauptstrecke durch den Wald bis zum Stützpunkt. Haltepunkt und Anschlussbahn lagen damit zwar dicht beieinander, waren betrieblich jedoch zwei voneinander getrennte Anlagen.

Entstehung und Betrieb des Haltepunkts

Der Haltepunkt Schwarzenpfost wurde am 1. Mai 1891 bei Streckenkilometer 55,6 zwischen den Bahnhöfen Gelbensande und Rövershagen eröffnet. Weshalb die Station knapp zwei Jahre nach Inbetriebnahme der Bahnstrecke eingerichtet wurde, lässt sich heute nicht mehr eindeutig nachvollziehen. Mit dem späteren Militärstandort kann die ursprüngliche Eröffnung jedenfalls noch nichts zu tun gehabt haben. Schwarzenpfost war stets ein sehr einfach ausgestatteter Haltepunkt. Es gab nur das durchgehende Streckengleis, einen Bahnsteig mit Beleuchtung, das benachbarte Postenhaus sowie später einen Bauwagen, der als Dienstraum, Fahrkartenausgabe und Warteraum diente. Lade-, Abstell- oder Gütergleise waren hier nicht vorhanden.

Während der DDR-Zeit wurde der Haltepunkt vor allem von Beschäftigten und Angehörigen des nahe gelegenen Militärstandorts genutzt. Höherwertige Reisezüge durchfuhren Schwarzenpfost in der Regel ohne Halt. Nach Überlieferungen wurden beim Bau des militärischen Anschlusses zeitweise Baumaterialien im Bereich des Haltepunkts entladen. Auch Bausoldaten sollen mit Personenzügen bis Schwarzenpfost gebracht worden sein. Eine eigentliche Güterverkehrsstelle entstand dadurch jedoch nicht.

Fahrkartenverkauf und Alltag der Eisenbahner

Zu DDR-Zeiten wurden in Schwarzenpfost auch Fahrkarten verkauft. Nach den Erinnerungen des früheren Eisenbahners Olaf Klabunde stand dafür neben dem Postenhaus ein umfunktionierter Bauwagen. Dieser hatte noch seine typische orangefarbene Lackierung, war an den Rädern jedoch einbetoniert und damit dauerhaft an seinem Standort befestigt. Im linken Teil des Wagens befand sich das Dienstzimmer, im rechten Teil der Warteraum. Im Eingangsbereich stand eine Art Ablagetisch, auf dem das Frischwasser gelagert wurde. Da der Bauwagen keinen Wasseranschluss besaß, musste das Wasser aus einer Pumpe hinter dem Wagen geholt werden.

Im Dienstzimmer stand auf der linken Seite ein Kohle- beziehungsweise Dauerbrandofen. Rechts befand sich der Schrankschalter für den Fahrkartenverkauf. Der Schreibtisch stand vor dem Fenster und bot einen Blick auf die Fernstraße 105. Der Ofen soll während des Dienstes fast immer geheizt worden sein. Zum Frühdienst wurde eine Schüssel mit Wasser daraufgestellt, damit später warmes Wasser zum Spülen des Mittagsgeschirrs zur Verfügung stand. Das Mittagessen für die Eisenbahner wurde vom benachbarten Armeestützpunkt gebracht. Die benötigten Kohlen lagerten in einem kleinen grünen Schuppen neben dem Bauwagen.

Nach Dienstende mussten die Eisenbahner häufig zunächst nach Gelbensande fahren und dort beim Fahrdienstleiter auf den nächsten Zug nach Rostock warten. Insbesondere nach einer Nachtschicht dürfte dies nicht unbedingt angenehm gewesen sein. Gerade diese Erinnerungen zeigen jedoch, wie der Alltag an einem kleinen Haltepunkt aussah, der personell besetzt war, obwohl seine Anlagen auf das absolute Minimum beschränkt blieben.

Aufgabe des Haltepunkts

Bereits zu DDR-Zeiten war das Fahrgastaufkommen in Schwarzenpfost eher gering. Mit dem Ende der militärischen Nutzung fiel schließlich die mit Abstand wichtigste Nutzergruppe weg. Zwar lebten und arbeiteten auch weiterhin Menschen in Schwarzenpfost, für die Bahn reichte das verbliebene Fahrgastpotenzial jedoch offenbar nicht mehr aus. Mit dem Fahrplanwechsel im Jahr 1994 stellte die Deutsche Bahn nach den bislang vorliegenden Unterlagen die Bedienung des Haltepunkts ein. Einzelne spätere Darstellungen nennen abweichend das Jahr 1996. Der konkrete, auf Schwarzenpfost bezogene Stand spricht jedoch weiterhin für 1994. Seitdem fahren sämtliche Züge ohne Halt an der ehemaligen Station vorbei.

Das Postenhaus

Erhalten geblieben ist das unmittelbar am früheren Bahnübergang stehende Postenhaus. Das Gebäude wurde im Jahr 1908 errichtet und 2011 von Privatleuten übernommen. Anschließend erfolgte eine umfassende und liebevolle Sanierung. Heute befinden sich im Alten Bahnhaus zwei Ferienwohnungen. Die zweite, im Dachgeschoss gelegene Wohnung wurde im Jahr 2021 neu renoviert. Damit konnte das einzige größere Gebäude des früheren Haltepunkts nicht nur erhalten, sondern auch einer dauerhaften und sinnvollen Nutzung zugeführt werden. Auch die alte Wasserpumpe erinnert noch an die Zeit, in der hier Eisenbahner ihren Dienst versahen und Reisende auf den nächsten Personenzug warteten.

Der Bahnübergang und seine Beseitigung

Der Bahnübergang unmittelbar neben dem Haltepunkt wurde früher von Rövershagen aus bedient. Die Deutsche Bahn verfolgte bereits über mehrere Jahre das Ziel, den Übergang ersatzlos zu beseitigen. Dies wurde lange Zeit vor allem durch den Widerstand der Gemeinde Rövershagen verhindert. Rechtlich bestanden gegen die Entscheidung der Bahn letztlich jedoch kaum Möglichkeiten. Anfang 2015 wurde deshalb beschlossen, den Bahnübergang durch eine neue Straßenverbindung zu ersetzen. Bereits Ende Februar begann man damit, zwischen Schwarzenpfost und Rövershagen einen Streifen des Waldes für die neue, parallel zur Bahnstrecke verlaufende Straße freizumachen.

Zwischen dem 2. und 6. November 2015 wurde der Bahnübergang schließlich vollständig entfernt. Wenig später passte man auch die Bundesstraße 105 an die neuen Verhältnisse an und baute die bisherigen Abfahrten zurück. Schwarzenpfost ist seitdem ausschließlich über die neue Straße von Rövershagen aus erreichbar. Vom früheren Bahnübergang ist heute praktisch nichts mehr zu erkennen. Dass der Übergang trotz der Einwände der Gemeinde aufgegeben wurde, ist aus Sicht der Bahn mit der Vereinfachung und Sicherung des Streckenbetriebs nachvollziehbar. Für den kleinen Ort bedeutete es dennoch das Ende seiner jahrzehntelang gewohnten direkten Zufahrt von der B 105.

Zwangsarbeit und das KZ-Außenlager Schwarzenpfost

Mit Schwarzenpfost ist auch ein dunkles Kapitel der deutschen Geschichte verbunden. Ab 1943 verlagerte die Ernst Heinkel AG Teile ihrer kriegswichtigen Flugzeugproduktion aus Rostock in die vermeintlich besser vor Luftangriffen geschützte Rostocker Heide. Für den Aufbau der Anlagen und die spätere Produktion wurden Zwangsarbeiter, Kriegsgefangene und Häftlinge eines Außenlagers des KZ Ravensbrück unter unmenschlichen Bedingungen eingesetzt.

Der Haltepunkt Schwarzenpfost soll dabei auch für den Transport von Gefangenen und Arbeitskräften genutzt worden sein. Nach überlieferten Berichten wurden insbesondere männliche Zwangsarbeiter unter Bewachung mit dem Zug aus Rostock herangebracht. Welche Rolle der Haltepunkt im Einzelnen spielte, ist allerdings nur teilweise dokumentiert. Das Unterkunftslager der überwiegend weiblichen KZ-Häftlinge befand sich mehrere Kilometer entfernt bei Oberhagen. Die Frauen mussten den Weg zum Werksgelände zu Fuß zurücklegen. Dieses Lager und der ausgelagerte Rüstungsbetrieb dürfen nicht mit dem später südlich der Bahnstrecke entstandenen NVA-Gelände gleichgesetzt werden.

Heute erinnern örtliche Forschungs- und Schülerprojekte an die lange Zeit kaum beachtete Geschichte des Außenlagers. Eine ausführliche Darstellung würde den Rahmen dieses Beitrags über die Bahngeschichte von Schwarzenpfost sprengen. Weiterführende Informationen bieten die Gedenkstättenarbeit in Mecklenburg-Vorpommern sowie die von der früheren Projektgruppe der ehemaligen Regionalen Schule Gelbensande erarbeiteten Materialien. Klicken Sie dazu  hier.

Heutige Spuren des Haltepunkts

Obwohl in Schwarzenpfost seit mehr als drei Jahrzehnten kein Zug mehr hält, ist die frühere Station noch immer erkennbar. Der zunehmend von der Vegetation zurückeroberte Bahnsteig und mehrere Masten der alten Bahnsteigbeleuchtung sind weiterhin vorhanden. Auch die Halterung des Stationsschildes hatte zumindest bis zum Rückbau des Bahnübergangs im Jahr 2015 überdauert. Während das Postenhaus inzwischen gepflegt und dauerhaft genutzt wird, verschwinden die übrigen Spuren des Haltepunkts langsam unter Gras und Sträuchern. Gerade darin liegt heute ein besonderer Reiz des Ortes: Wer weiß, wonach er suchen muss, kann die frühere Station noch deutlich erkennen. Für den unkundigen Betrachter wirkt der Bereich dagegen längst nur noch wie ein gewöhnlicher Abschnitt der Bahnstrecke durch die Rostocker Heide.

Eine mögliche Reaktivierung?

Ganz aus der Verkehrsplanung verschwunden ist Schwarzenpfost dennoch nicht. Im Jahr 2023 veröffentlichten Konzept „S-Bahn Region Rostock 2050“ wurde auch eine mögliche Reaktivierung des Haltepunkts untersucht. Die Gutachter bewerteten den zusätzlichen Nutzen allerdings eher zurückhaltend. Der heutige Bahnhof Rövershagen liegt nur rund 2,3 Kilometer entfernt. Schwarzenpfost befindet sich damit bereits in dessen Einzugsbereich, und durch einen zusätzlichen Halt würden kaum neue Orte oder größere Fahrgastpotenziale erschlossen. Gleichzeitig würde jeder weitere Verkehrshalt die Reisezeit der durchfahrenden Fahrgäste verlängern.

Eine konkrete oder gar finanzierte Wiedereröffnung ist deshalb derzeit nicht absehbar. In langfristigen Szenarien für eine Verdichtung des Schienenverkehrs zwischen Rostock und Ribnitz-Damgarten taucht Schwarzenpfost zwar weiterhin als mögliche Option auf. Mehr als eine sehr vorsichtige Perspektive ist dies gegenwärtig jedoch nicht. Vorerst bleibt Schwarzenpfost ein ehemaliger Haltepunkt, an dem die Züge ohne Halt vorbeifahren.

Bildergalerien

Hier nun die Bilder vom Haltepunkt Schwarzenpfost. Falls Sie über weitere Bilder vom Haltepunkt Schwarzenpfost verfügen, können Sie mir diese gerne zusenden. Sie haben die Möglichkeit, die Bilder direkt hier hochzuladen oder diese alternativ an die E-Mail Adresse bilder@ostseestrecke.de zu senden. Ich freue mich immer über neue Bilder.

Quellen und weiterführende Informationen

Vielen Dank für die ausführlichen Schilderungen der früheren Anlagen und des Betriebs an Olaf Klabunde.
Weitere verwendete beziehungsweise weiterführende Quellen:

Eisenbahn-MV: Bahnhof Schwarzenpfost [Hp]
Planungsverband Region Rostock: S-Bahn Region Rostock 2050 (2023)
Gedenkstätten in Mecklenburg-Vorpommern: Ehemaliges KZ-Außenlager Schwarzenpfost
Politische Memoriale Mecklenburg-Vorpommern: Geschichtskoffer zu den Außenlagern des KZ Ravensbrück
Dokumentation der Küstenraketentruppen der Volksmarine zum Objekt Schwarzenpfost
Internetseite „Ostseeurlaub im Alten Bahnhaus“
eigene Beobachtungen, Bilder und Unterlagen.