- Altenwillershagen (34,1)
- Ribnitz-Damgarten West
Anschluss:
- Flugplatz Pütnitz
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Lagebeschreibung
Ribnitz-Damgarten ist die größte Stadt zwischen Rostock und Stralsund. Die Stadt besitzt zwei Bahnhöfe. Dies ist vor allem dem Umstand geschuldet, dass Ribnitz und Damgarten früher zwei eigenständige Städte waren. Erst am 1. Juli 1950 wurden beide Städte gegen den zuvor erklärten Willen ihrer Stadtvertretungen zur neuen Stadt Ribnitz-Damgarten zusammengeschlossen. Ribnitz lag auf dem Territorium von Mecklenburg-Schwerin, Damgarten dagegen in der Provinz Pommern. Über die Recknitz, den Fluss zwischen Ribnitz und Damgarten, verlief die Grenze.
Damgarten ist dabei der ältere, heute aber deutlich kleinere Stadtteil. Der Ort erhielt bereits im Mittelalter das Stadtrecht und war über Jahrhunderte eine kleine pommersche Grenzstadt. Noch heute sind die Bartholomäuskirche, der historische Stadtkern und der Hafen wichtige Orientierungspunkte. Gerade der Hafen spielte für die wirtschaftliche Entwicklung Damgartens eine erhebliche Rolle. Er war später auch der Grund dafür, dass die Franzburger Kreisbahnen für Damgarten von besonderem Interesse waren.
Der Bahnhof Ribnitz-Damgarten Ost liegt etwas abseits vom eigentlichen Stadtteil an der südlichen Stadtgrenze und an der Straße in Richtung Richtenberg. Während der Bahnhof Ribnitz-Damgarten West heute der deutlich bedeutendere Bahnhof der Doppelstadt ist, besitzt der Ostbahnhof vor allem für Damgarten, die Richtenberger Straße und die südlich anschließenden Ortsteile seine Bedeutung. Er ist ein kleiner, aber betrieblich durchaus interessanter Bahnhof an der Bahnstrecke Rostock-Stralsund.
Geschichte und Betrieb des Bahnhofs Ribnitz-Damgarten Ost
Bau und Eröffnung des Staatsbahnhofs
Der Bahnhof Ribnitz-Damgarten Ost entstand im Zuge des Streckenbaus zwischen Stralsund und Rostock. In älteren Unterlagen wird teilweise bereits das Jahr 1886 genannt. Dabei dürfte es sich jedoch eher um die Bau- beziehungsweise Vorbereitungszeit handeln. Mit der Eröffnung des Abschnittes Stralsund-Ribnitz im Jahr 1888 nahm auch der damalige Bahnhof Damgarten seinen Betrieb auf. Beim genauen Eröffnungsdatum weichen die überlieferten Angaben teilweise voneinander ab. Genannt werden sowohl der 1. Juni als auch der 1. Juli 1888. An dieser Stelle soll daher zunächst nur das Jahr 1888 als gesichert gelten.
Zunächst gab es hier nur den normalspurigen Staatsbahnhof an der Hauptbahn. Damgarten erhielt damit einen eigenen Anschluss an die Eisenbahn, noch bevor ein Jahr später die Strecke in Richtung Rostock vollständig durchgehend befahren werden konnte. Erst nach der Zusammenlegung der Städte im Jahr 1950 erhielt der Bahnhof seinen heutigen Namen. Nach bahnhistorischen Angaben erfolgte die Umbenennung von Damgarten in Ribnitz-Damgarten Ost zum 1. Januar 1953. Aus dem Bahnhof Ribnitz wurde entsprechend Ribnitz-Damgarten West.
Von der Entwicklung des Bahnhofes, angefangen von der Errichtung bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges, ist leider nicht sehr viel bekannt. Auch beim Kleinbahnhof verhält es sich ähnlich. Gerade deshalb sind alte Gleispläne, Bauzeichnungen und Erinnerungen ehemaliger Eisenbahner für diesen Bahnhof besonders wertvoll. Sie zeigen, dass Damgarten früher deutlich mehr war als nur ein kleiner Haltepunkt am Rand der Stadt.
Die Franzburger Kreisbahnen in Damgarten
Die Kleinbahn, welche von Damgarten über Saal und Hermannshof nach Barth führte, wurde knapp zehn Jahre nach dem Staatsbahnhof errichtet und am 4. Mai 1895 in Betrieb genommen. Es handelte sich um eine meterspurige Strecke der Franzburger Kreisbahnen. Da sich dieser Beitrag vorrangig mit dem normalspurigen Bahnhof Ribnitz-Damgarten Ost beschäftigt, kann die Geschichte der Kleinbahn hier nur am Rande behandelt werden. Sie gehört aber untrennbar zur Geschichte des Bahnhofsbereiches.
Die Anlagen der Kleinbahn lagen direkt nördlich neben dem Staatsbahnhof. Der Kleinbahnhof trug später die Bezeichnung Damgarten Nord beziehungsweise Ribnitz-Damgarten Nord. Er verfügte über ein separates Empfangsgebäude, einen Lokschuppen sowie eine Rollbockrampe. Über diese Rollbockrampe konnten normalspurige Güterwagen auf schmalspurige Rollböcke gesetzt und anschließend mit Kleinbahnzügen weiterbefördert werden. Das war insbesondere für den Güterverkehr zum Damgartener Hafen wichtig.
Weitere Bahnhöfe der FKB in Damgarten
Neben dem Kleinbahnhof am Staatsbahnhof gab es im Damgartener Stadtgebiet noch weitere Stationen. Zu nennen sind insbesondere Ribnitz-Damgarten Stadtwald und Ribnitz-Damgarten Hafen. Der Haltepunkt Stadtwald lag am kleinen Damgartener Stadtwald und dürfte vor allem für den örtlichen Verkehr und Ausflugsverkehr Bedeutung gehabt haben. Die Station am Hafen war dagegen vor allem für den Güterverkehr wichtig. Über sie konnten Güter vom Hafen zur Kleinbahn und weiter zum Staatsbahnhof gebracht werden. Nach Überlieferungen soll es hier immer eine rege Verladetätigkeit gegeben haben.
Laut Aussage einiger Zeitzeugen sollen auch direkt Züge zwischen dem Staatsbahnhof Damgarten und dem Bahnhof Damgarten Hafen gefahren sein, welche Güter von und zum Hafen transportierten. Technisch ist dabei zu berücksichtigen, dass der Verkehr über die meterspurige Kleinbahn und die Rollbockanlage abgewickelt wurde. Es fuhren also nicht einfach normalspurige Züge vom Staatsbahnhof bis zum Hafen, sondern normalspurige Güterwagen wurden entsprechend auf Rollböcke gesetzt und dann über die Kleinbahn weiterbefördert.
Von den Anlagen der Kleinbahn ist heute im Bereich des früheren Kleinbahnhofs kaum noch etwas zu erkennen. Am Hafen und entlang der früheren Trasse lassen sich dagegen noch einzelne Spuren finden. Ausführlichere Informationen zur Geschichte der Franzburger Kreisbahnen und ihrer Strecken müssen jedoch spezialisierten Darstellungen vorbehalten bleiben. Für den Bahnhof Ribnitz-Damgarten Ost bleibt vor allem festzuhalten, dass der Kleinbahnanschluss für Damgarten wirtschaftlich von erheblicher Bedeutung war.
Flugplatzanschluss und Güterverkehr in Richtung Pütnitz
Güterverkehr existierte neben der Verbindung zum Hafen auch in Richtung des Flugplatzes in Pütnitz. Der Fliegerhorst Pütnitz wurde ab 1935 im Zuge der militärischen Aufrüstung des nationalsozialistischen Deutschlands errichtet und 1936 in Betrieb genommen. Dazu wurde östlich des Bahnhofes Damgarten ein Anschlussgleis errichtet, welches in Richtung des Flugplatzes einmal um den gesamten Ort Damgarten führte.
Auch nach dem Zweiten Weltkrieg wurde diese Verbindung weiter genutzt. Der Flugplatz Pütnitz diente nun der sowjetischen Luftwaffe und entwickelte sich zu einem der bedeutenden sowjetischen Militärflugplätze in der DDR. Die Anschlussbahn blieb entsprechend wichtig, weil über sie Material, Fahrzeuge und Versorgungsgüter zum Flugplatz gebracht werden konnten. Nach dem Abzug der sowjetischen Truppen Anfang der 1990er Jahre verlor auch dieser Anschluss seine eigentliche Funktion.
Planungen und Entwicklung vom Bahnhof Ribnitz-Damgarten Ost in der DDR-Zeit
Im Jahr 1961 war durch den Rat des Bezirkes Rostock geplant worden, den Bahnhof Damgarten umfassend auszubauen. Dies betraf sowohl den Güter- als auch den Reiseverkehr. Letzteres ist insofern bemerkenswert, als die meisten Einwohner der Stadt Ribnitz-Damgarten im Stadtteil Ribnitz lebten und auch heute noch leben. Dennoch sei an dieser Stelle bemerkt, dass der Stadtteil Damgarten zu DDR-Zeiten eine wesentlich höhere Bedeutung als heute besessen hat.
Unter anderem war geplant, das Empfangsgebäude zu vergrößern und mit einem Neubau für die Mitropa zu versehen. Auch die Gleisanlagen sollten ausgebaut und in Richtung Stralsund eine Übergabegruppe errichtet werden. Hier sollte dann auch das Streckengleis nach Pütnitz abzweigen. Damit wäre der Bahnhof Damgarten zu einem deutlich größeren Güter- und Übergabebahnhof geworden.
Verwirklicht wurden diese umfangreichen Pläne allerdings nicht. Es kam nur noch zu kleineren Umbauten. Nachdem der Verkehr auf dem örtlich relevanten Abschnitt der Schmalspurbahn am 29. Mai 1965 eingestellt worden war und die Gleise abgebaut wurden, nutzte man alsbald das nördliche Gelände der Kleinbahn zur Erweiterung der bisherigen Normalspuranlagen.
So wurde hier ein Anschlussgleis für das Agrochemische Zentrum (ACZ) Damgarten errichtet. Neben dem ACZ wurde noch eine Lederwarenfabrik beliefert, welche aber selbst über keinen eigenen Gleisanschluss verfügte. Der Bahnhof blieb damit auch nach dem Ende der Kleinbahn ein kleiner, aber durchaus vielseitiger Güterbahnhof. Gerade der Anschluss nach Pütnitz, der ACZ-Verkehr und der örtliche Güterumschlag sorgten dafür, dass Damgarten betrieblich nicht bedeutungslos war.
Wendejahre, Elektrifizierung und Güterrückgang
Nach der Wende wurde es ruhig im Bahnhof Ribnitz-Damgarten Ost. Der Güterverkehr brach sehr schnell weg, so dass er nach Aussage von Eisenbahnern bereits im Jahr 1992 nicht mehr nennenswert gewesen sein soll. Es fanden zwar noch Übergabefahrten statt, diese waren jedoch nicht mehr mit den Leistungen vor der Wende zu vergleichen. In späteren Jahren wurden die Ladegleise nur noch als Abstellplatz für schadhafte Wagen genutzt.
Direkt nach der Wende wurde der Bahnhof im Rahmen der noch von der Deutschen Reichsbahn begonnenen Streckenelektrifizierung mit einer Fahrleitungsanlage ausgestattet. Der elektrische Betrieb auf dem Abschnitt Bentwisch-Stralsund wurde am 2. Juni 1991 aufgenommen. Zeitgleich wurden auch das Streckengleis und die Signaltechnik erneuert. Es erfolgte eine Umstellung der Formsignale auf Hl-Signale.
In den 1990er Jahren gab es zunächst kaum noch Neuerungen oder Änderungen am Bahnhof. Lediglich neue Stationsschilder hat der Bahnhof noch erhalten. Aber auch eine bautechnische Kuriosität soll hier nicht unerwähnt bleiben. Im Januar 1998, also nur wenige Monate vor dem Totalumbau, wurden alle Weichen im Bahnhof noch mit einer komplett neuen Weichenheizung ausgestattet. Diese verrichtete nach den vorliegenden Erinnerungen nur kurze Zeit ihren Dienst, um dann mit allen übrigen Anlagen im Herbst 1998 wieder verschrottet zu werden. Solche Dinge kann man eigentlich niemandem erzählen, ohne dass es nach Eisenbahnsatire klingt.
Totalsanierung der Strecke 1998 und 1999
Nachdem die Planungen für die Sanierung des Streckenabschnittes Ribnitz-Damgarten West-Stralsund im Rahmen des Verkehrsprojektes „Deutsche Einheit Nr. 1“ abgeschlossen werden konnten, wurde am 18. Mai 1998 mit den vorbereitenden Arbeiten begonnen. Die Totalsperrung der Strecke erfolgte am 27. September 1998. Bereits am nächsten Tag wurde, wie Fotos aus Velgast belegen, mit dem Abbau aller Anlagen begonnen. So kann davon ausgegangen werden, dass bereits am ersten Tag der Sperrung die Fahrleitung und auch die Signale im Bahnhof demontiert worden sind.
Die Eisenbahner sind allerdings noch einige Zeit in Damgarten verblieben, um die Zugfahrten der Bauzüge zu sichern beziehungsweise die verbliebenen Weichen zu stellen. Erst nachdem alle Schienen abgebaut waren, kehrte in den Stellwerksräumen des Empfangsgebäudes Ruhe ein. Damit endete der alte Bahnhof Damgarten praktisch innerhalb weniger Tage. Was jahrzehntelang gewachsen war, wurde im Herbst 1998 vollständig beseitigt.
Eine kurze Nutzung erfuhren die Räume nochmals im Jahr 1999 zwischen den Monaten Juni und September. Das Stellwerk in Velgast war noch nicht fertiggestellt, die Oberleitung stromlos und auch die Technik am Damgartener Bahnübergang funktionierte noch nicht. So wurde in Damgarten eine provisorische Blockstelle eingerichtet, welche über alte Hl-Signale verfügte. Zudem musste das hier nun in einem Container ansässige Personal, nach anderen Quellen sollen es die alten Stellwerksräume gewesen sein, auch den Bahnübergang mittels Bauampel und Flatterband sichern.
Nachdem das Stellwerk in Velgast im September 1999 seinen Betrieb aufgenommen hatte, war es aber auch damit vorbei. Das Empfangsgebäude wurde daraufhin verschlossen und fristete bis zum Beginn der späteren Sanierung ein trauriges Dasein. Damit verlor der Bahnhof nicht nur seine örtlichen Güteranlagen, sondern auch sein Personal vor Ort. Seitdem wird der Bahnhof aus Velgast ferngesteuert.
Empfangsgebäude und weitere Entwicklung seit 1999
Das Empfangsgebäude verfügte neben den Räumen für den Fahrdienstleiter bis Mitte der 1990er Jahre noch über einen Fahrkartenschalter und einen kleinen Wartesaal. Auch eine Bahnhofsgaststätte hat es hier früher einmal gegeben. Im Obergeschoss befanden sich zwei Wohnungen, welche bis Anfang der 1990er Jahre noch bewohnt gewesen sind. Das Gebäude steht unter Denkmalschutz und gehört damit zu den erhaltenen historischen Empfangsgebäuden an der Strecke.
Nach dem Ende der örtlichen Besetzung und der Fernsteuerung aus Velgast wurde das Empfangsgebäude verschlossen. Über viele Jahre wirkte es, als sei seine Zukunft völlig offen. Das war umso bedauerlicher, weil es sich nicht um irgendeinen Zweckbau handelt, sondern um ein ortsbildprägendes Bahnhofsgebäude mit einer langen Geschichte. In dieser Zeit zeigte sich wieder einmal, wie schnell solche Gebäude in einen Zustand geraten können, in dem sie zwar noch stehen, aber eigentlich niemand mehr so richtig weiß, was aus ihnen werden soll.
Am 25. September 2015 wurde das Bahnhofsgebäude bei einer Auktion für 16.000 Euro mitsamt anliegendem Grundstück versteigert. Nach einem nochmaligen Besitzerwechsel tat sich seit Sommer 2016 tatsächlich etwas am Gebäude. Die Fenster wurden wieder freigelegt und nach und nach aufgearbeitet. Gleichzeitig wurde das Gebäude entrümpelt und die alten Öfen mitsamt Schornsteinen beseitigt. Laut damaliger Auskunft des Bauherrn waren Ferienwohnungen geplant.
Inzwischen ist das Gebäude fertig saniert worden. Damit wurde das denkmalgeschützte Empfangsgebäude vor dem weiteren Verfall gerettet. Das ist ausdrücklich positiv hervorzuheben. Gerade entlang der Strecke gibt es genug Beispiele dafür, wie ehemalige Bahnhofsgebäude verriegelt, vernachlässigt, verkauft oder schlicht ihrem Schicksal überlassen wurden. In Ribnitz-Damgarten Ost ist es dagegen gelungen, das Gebäude wieder in einen ansehnlichen Zustand zu versetzen. Unabhängig von der konkreten Nutzung ist dies für den Bahnhof und für Damgarten ein großer Gewinn.
Betriebliches & Sicherungstechnik vom Bahnhof Ribnitz-Damgarten Ost
Anlagen vor dem Umbau
Vor dem Umbau verfügte der Bahnhof über ein Durchgangsgleis sowie ein Ausweichgleis. Hinzu kamen mehrere Ladegleise, siehe Gleisplan, der Anschluss zum Flugplatz in Pütnitz und der Anschluss zum ACZ Damgarten. Zudem waren alle Ausfahrtsgleise mit Schutzweichen und Schutzgleisen versehen. Für die Reisenden gab es einen Außenbahnsteig auf der Seite des Empfangsgebäudes sowie einen Inselbahnsteig. Beide Bahnsteige waren mit einem Überweg auf Höhe des Empfangsgebäudes verbunden.
Die Güteranlagen waren für einen Bahnhof dieser Größe durchaus beachtlich. Neben den Ladegleisen und örtlichen Anschlüssen war vor allem der Anschluss nach Pütnitz ein besonderes Merkmal. Der Bahnhof war damit nicht nur eine Station für den Personenverkehr, sondern auch ein kleiner betrieblicher Knotenpunkt für Hafen, Kleinbahn, Militäranschluss und örtlichen Güterverkehr.
Anlagen nach dem Totalumbau
Der Bahnhof hat seit seinem Totalumbau sein Gesicht nicht mehr nennenswert verändert. Er verfügt nun über ein Durchgangsgleis, ein Ausweichgleis sowie zwei Außenbahnsteige, die jeweils nur über den Bahnübergang westlich des Bahnhofes erreicht werden können. Gerade wenn ein Gleiswechsel mal wieder nicht durch die Zugansage in Stralsund angesagt wird, ergeben sich hier erhebliche Probleme für die Reisenden. Wer am falschen Bahnsteig steht, kann nicht einfach durch eine Unterführung wechseln, sondern muss zum Bahnübergang laufen. Das ist bei knapper Zeit und herannahendem Zug alles andere als ideal.
Sämtliche Güter- und Nebengleise wurden entfernt. Allerdings steht immer noch ein Prellbock in der Nähe des Empfangsgebäudes. Der Anschluss nach Pütnitz existiert noch, ist aber vom Streckennetz abgebunden. Die Gleise führen nicht mehr in den Bahnhof, sondern enden einige Meter vor der ehemaligen Bahnhofseinfahrt in einem Erdwall, der mit dem Streckenausbau aufgeschüttet wurde. Damit ist die frühere Anschlussbahn heute zwar noch sichtbar, betrieblich aber ohne Funktion.
Aktueller Zustand der Bahnsteige und Ausstattung
Heute besitzt Ribnitz-Damgarten Ost zwei Außenbahnsteige. Beide Bahnsteige sind etwa 200 Meter lang und 55 Zentimeter hoch. Sie verfügen über Wetterschutzhäuser, dynamische Fahrgastinformationen und Blindenleitstreifen. Einen Aufzug gibt es nicht, was wegen des höhengleichen Zugangs zwar formal nicht erforderlich ist, praktisch aber wenig über die tatsächliche Bequemlichkeit des Bahnhofs aussagt. Der Wechsel zwischen den Bahnsteigen bleibt weiterhin nur über den Bahnübergang möglich.
Im Jahr 2024 bereitete die Stadt Ribnitz-Damgarten zudem die Aufstellung beziehungsweise Erneuerung von Fahrradabstellanlagen an den Bahnhöfen Ribnitz-Damgarten Ost und West vor. Ob und in welchem Umfang diese Maßnahme am Ostbahnhof bereits vollständig umgesetzt wurde, ist noch gesondert zu prüfen. Gebührenfreie Parkplätze befinden sich an der Richtenberger Straße. Trotz dieser Ausstattung bleibt der Bahnhof wegen seiner etwas abseitigen Lage nur bedingt gut in den übrigen Stadtverkehr eingebunden.
Eine kleine Verbesserung stellte die im Jahr 2018 geschaffene Busaufstellfläche neben dem Bahnhof dar. Diese entstand im Zusammenhang mit der Einführung der ICE-Halte in Ribnitz-Damgarten West. Da dort zunächst nur ein Bahnsteig für die langen Fernzüge geeignet war, musste Ribnitz-Damgarten Ost bei bestimmten Kreuzungssituationen als Ersatzhalt dienen. Zwischen beiden Bahnhöfen war dafür ein Busshuttle vorgesehen. Für solche Fälle war die neue Busaufstellfläche durchaus sinnvoll. Im regulären Stadtbusverkehr spielt der Ostbahnhof allerdings bis heute nur eine untergeordnete Rolle. Gerade wegen seiner Lage wäre eine bessere Verknüpfung von Bahn und Bus eigentlich wünschenswert.
Zeitweiser Fernverkehrshalt von 2019 bis 2023
Eine bemerkenswerte Entwicklung ergab sich ab dem Jahr 2019. Nachdem in Ribnitz-Damgarten West zunächst nur der Hausbahnsteig für ICE-Züge geeignet war, konnten sich dort nicht ohne weiteres zwei lange Fernzüge begegnen. In einzelnen Fällen wurde deshalb Ribnitz-Damgarten Ost als Verkehrshalt genutzt. Der kleine Ostbahnhof wurde damit für einige Jahre wieder zu einem planmäßigen Fernverkehrshalt.
Zwischen 2019 und 2023 hielten einzelne ICE-Züge in Ribnitz-Damgarten Ost. Dabei war der Bahnhof nicht nur ein Ausweichhalt bei Störungen, sondern in mehreren Fahrplanjahren planmäßig für einzelne Fernzüge vorgesehen. Teilweise erschien Ribnitz-Damgarten West dabei nur als Betriebshalt, während der tatsächliche Ein- und Ausstieg in Ribnitz-Damgarten Ost erfolgte. Das ist schon eine bemerkenswerte Episode, wenn man bedenkt, dass der Bahnhof ansonsten eher den Charakter einer kleinen Regionalstation hat.
Mit dem umfassenden Umbau des Bahnhofs Ribnitz-Damgarten West in den Jahren 2022 und 2023 entfiel der betriebliche Grund für diese Verlagerungen. Seit der dortigen Fertigstellung können lange Fernzüge wieder regulär am Westbahnhof abgefertigt werden. Damit endete auch die kurze Phase, in der Ribnitz-Damgarten Ost noch einmal eine Rolle im Fernverkehr spielte.
Bauarbeiten und Ersatzverkehr in den Jahren 2025 und 2026
In den vergangenen Jahren war Ribnitz-Damgarten Ost außerdem mehrfach von Bauarbeiten und Ersatzverkehren betroffen. Besonders deutlich wurde dies Anfang 2026. Vom 31. Januar bis zum 30. April 2026 war der Abschnitt zwischen Rostock Hauptbahnhof und Ribnitz-Damgarten Ost vollständig gesperrt. Die aus Richtung Stralsund kommenden Regionalzüge endeten in dieser Zeit in Damgarten. Reisende mussten hier in Busse in Richtung Rostock umsteigen.
Damit erhielt der Bahnhof vorübergehend erneut eine besondere betriebliche Funktion. Er war nicht nur Zwischenhalt, sondern Endbahnhof der aus Stralsund kommenden Züge und zugleich Umsteigepunkt zum Schienenersatzverkehr. Gerade bei längeren Sperrungen zeigt sich, dass auch kleinere Bahnhöfe plötzlich wieder eine größere Bedeutung erhalten können. Für Reisende ist das allerdings nur dann angenehm, wenn Anschlüsse, Wege und Informationen tatsächlich funktionieren. Und genau an dieser Stelle ist bei Ersatzverkehren erfahrungsgemäß noch Luft nach oben.
Ein eher kurioser Zwischenfall ereignete sich bereits im September 2019, als ein Marder westlich des Bahnübergangs einen Kurzschluss verursachte. Dabei wurden Oberleitung und Stromabnehmer eines Regionalzuges beschädigt. Reisende mussten aus dem Zug geholt und zum Bahnhof gebracht werden. Da die Schranken wegen des blockierten Abschnitts nicht mehr öffneten, musste der Straßenverkehr am Bahnübergang zeitweise von Hand geregelt werden. Solche Ereignisse sind für die eigentliche Bahnhofsgeschichte nicht entscheidend, zeigen aber sehr schön, wie anfällig der Bahnbetrieb manchmal durch ganz kleine Ursachen werden kann.
Sicherungstechnik
Der Bahnhof wurde ursprünglich durch ein mechanisches Stellwerk der Bauart Jüdel gesichert. Die Signale waren allesamt Formsignale, und auch die Weichen wurden mechanisch gestellt. Das Befehlsstellwerk B2 befand sich im Vorbau des Empfangsgebäudes. Das Weichenwärterstellwerk W1 befand sich am östlichen Bahnhofskopf in Richtung Stralsund.
Der Bahnübergang wurde zunächst durch einen Schrankenwärter gesichert. Das Wärtergebäude steht nach wie vor an der Richtenberger Straße, ist aber leider seit 2010 unbewohnt. Gerade solche kleinen Funktionsgebäude gehören eigentlich mit zur Geschichte eines Bahnhofs. Sie werden aber oft kaum beachtet, bis sie irgendwann verschwunden sind.
Im Jahr 1990 erhielt der Bahnhof im Zuge der Elektrifizierung Lichtsignale in Form von Hl-Signalen. Die Weichen und Blockfreimeldungen wurden aber nach wie vor mechanisch vorgenommen. Der Bahnübergang wurde über eine elektrische Vollschranke eVS 63b von WSSB gesichert, die vom Stellwerk aus bedient wurde. Mit diesem Umbau wurden die Aufgaben des Befehlsstellwerkes und des Weichenwärterstellwerkes zusammengelegt. Jetzt wurden die Weichen auch vom Befehlsstellwerk aus gestellt. Das überflüssig gewordene Gebäude des Weichenwärterstellwerkes wurde alsbald abgerissen.
Seit dem Umbau des Bahnhofes im Jahr 1999 verfügt dieser über Lichtsignale in Form von Ks-Signalen. Die Signale und Weichen werden seitdem vom Fahrdienstleiter in Velgast bedient. Auf dem Bahnhof in Damgarten befindet sich kein Personal mehr. Neben dem Empfangsgebäude wurde ein neues Gebäude für die Technik zum Betrieb der Ks-Signale errichtet. Dieses Gebäude beinhaltet neben der Streckentechnik wohl auch einen Notbedienplatz zur örtlichen Bedienung des Bahnhofes.
Heutige Bedeutung
Ribnitz-Damgarten Ost ist heute ein kleiner Regionalbahnhof. Im regulären Personenverkehr wird er vor allem durch die Regional-Express-Züge auf der Verbindung Rostock-Stralsund und weiter in Richtung Rügen bedient. Die genaue Bedienung hat sich in den vergangenen Jahren mehrfach verändert und sollte deshalb immer mit dem jeweiligen Fahrplanstand betrachtet werden. Im Vergleich zum Westbahnhof ist die Zahl der Reisenden deutlich geringer. Dennoch bleibt der Bahnhof für Damgarten und die südlichen Stadtbereiche wichtig.
Seine eigentliche Besonderheit liegt weniger in der heutigen Größe als in der vielschichtigen Geschichte. Staatsbahn, Kleinbahn, Hafenverkehr, Militäranschluss nach Pütnitz, ACZ-Anschluss, Totalumbau, Fernsteuerung aus Velgast, zeitweise ICE-Halte und die gerettete Sanierung des Empfangsgebäudes ergeben zusammen ein Bild, das deutlich interessanter ist, als der heutige erste Eindruck vermuten lässt. Ribnitz-Damgarten Ost wirkt heute unscheinbar. Seine Geschichte ist es nicht.
Gleispläne und Bauzeichnungen

Hand gezeichneter Gleisplan (Stand 11.05.1998)
Bauzeichnung vom Empfangsgebäude um 1914
Bildergalerien
Hier nun die Bilder vom Bahnhof Ribnitz-Damgarten Ost. Falls Sie über weitere Bilder vom Bahnhof Ribnitz-Damgarten Ost verfügen, können Sie mir diese gerne zusenden. Sie haben die Möglichkeit, die Bilder direkt hier hochzuladen oder diese alternativ an die E-Mail Adresse bilder@ostseestrecke.de zu senden. Ich freue mich immer über neue Bilder.Aktueller Zustand
Zustand vor dem Umbau:
Stellwerk, Güterboden und Betriebsräume
Die folgenden Bilder zeigen den Fahrdienstleiterbereich im alten Empfangsgebäude.
Dienstwohnungen
Quellen:
Großmann, Ribnitz-Damgarten, Bahnhöfe A-Z, Blatt 5, Loseblattsammlung, Geramond Verlag
Peter Falow, Die Eisenbahnstrecken „Lübeck/ Hagenow Land – Rostock – Stralsund“ – Geschichte und Gegenwart, ISBN 3-00-013735-1
Bahnstatistik, Direktionschronik Rbd Schwerin
DB InfraGO, Stationsausstattung Ribnitz-Damgarten Ost, Stand 2026
Fahrplandaten und Fernverkehrsübersichten, verschiedene Fahrplanjahre
Zeitzeugenberichte und persönliche Beobachtungen vor Ort