Bahnhof Ribnitz-Damgarten West

Lage und heutige Bedeutung des Bahnhofs Ribnitz-Damgarten West

Der Bahnhof Ribnitz-Damgarten West ist heute der bedeutendere der beiden Bahnhöfe der Bernsteinstadt. Dass Ribnitz-Damgarten über zwei Bahnhöfe verfügt, hat historische Gründe: Bis 1950 waren Ribnitz und Damgarten eigenständige Städte. Ribnitz gehörte zu Mecklenburg-Schwerin, Damgarten zur preußischen Provinz Pommern. Die Recknitz bildete zwischen beiden Städten zugleich die Landesgrenze.

Die Stadt Ribnitz-Damgarten führt heute die Bezeichnung Bernsteinstadt. Neben einer Schaumanufaktur, in der bis heute Bernstein verarbeitet wird, gibt es hier auch das überregional bekannte Deutsche Bernsteinmuseum. Ansonsten ist Ribnitz-Damgarten eine doch recht verträumte Kleinstadt, die aber in jedem Fall einen Besuch wert ist. Der Bahnhof Ribnitz-Damgarten West befindet sich etwas südlich des eigentlichen Stadtzentrums und trennt dieses vom sogenannten Klosterkamp ab, der am südlichen Ortsrand liegt. Direkt hinter dem Bahnhof befindet sich außerdem eine größere Ladenpassage, zu der unter anderem der Famila-Markt und ein Aldi gehören.

Früher war der eigentliche Bahnhof um einiges kürzer als heute. Die Gleisanlagen verliefen nur bis zur Brücke, etwa 500 Meter östlich vom Empfangsgebäude.

Die Gleisanlagen hinter der Brücke in Richtung Damgarten kamen erst im Zuge des Bahnhofsumbaus Anfang der 1990er Jahre hinzu.

Heute ist der Ribnitzer Bahnhof der bedeutendere von beiden. Der Bahnhof Ribnitz-Damgarten West ist ein Fern- und Regionalverkehrshalt und liegt bei Streckenkilometer 43,3 der Bahnstrecke Stralsund–Rostock. Sein Betriebsstellenkürzel lautet WRI. Nach dem großen Umbau von 2022 bis 2023 besitzt er zwei barrierefrei erreichbare Bahnsteiggleise mit jeweils 350 Meter langen und 55 Zentimeter hohen Bahnsteigen. Daneben gibt es weiterhin zwei Ausweichgleise sowie die Zufahrt zur alten Triebfahrzeugeinsatzstelle mit dem Lokschuppen, die jedoch schon Mitte der 1990er Jahre geschlossen wurde. Das Empfangsgebäude und der Lokschuppen sind als Baudenkmale eingetragen.

Geschichte des Bahnhofs Ribnitz-Damgarten West

Entstehung des Bahnhofs und Entwicklung bis 1920

Ribnitz erhielt im Vergleich zu anderen Städten erst relativ spät einen Eisenbahnanschluss. Dabei muss die bisher häufig genannte Eröffnung der Gesamtstrecke am 1. Juni 1889 etwas genauer betrachtet werden: Der Abschnitt von Stralsund bis Ribnitz ging bereits im Sommer 1888 in Betrieb. Beim genauen Datum widersprechen sich die Quellen. Während mehrere eisenbahnhistorische Darstellungen den 1. Juli 1888 nennen, wird in einzelnen lokalen Quellen auch der 1. Juni 1888 angegeben. Unstrittig ist, dass die Verbindung von Ribnitz nach Rostock erst am 1. Juni 1889 folgte. Ribnitz war somit zunächst für etwa ein Jahr Endpunkt der aus Richtung Stralsund kommenden Strecke. Die Stadt hatte bereits mit Beschluss der städtischen Körperschaften vom 20. Oktober 1863 entschieden, Land für den Bau der Bahnstrecke abzugeben.

Im Jahr 1886 begann zunächst der Bau einer Brücke über die Recknitz. Der Bahnhof in Ribnitz, heute Ribnitz-Damgarten West, sollte möglichst nahe an der Stadt errichtet werden. Die dafür vorgesehenen Grundstücke wurden deshalb schon einige Zeit vorher nicht mehr bewirtschaftet. Nach dem Bahnhofsbau wurde auch die Zufahrtsstraße ausgebaut. Aus dem ehemaligen Schmiedeweg entstand die heute noch existierende Ulmenallee. Die Häuser wurden allerdings erst einige Jahre später errichtet.

Eine Bahn nach Graal-Müritz

Um 1899 gab es Bestrebungen, eine elektrisch betriebene Bahn von Ribnitz nach Graal-Müritz zu bauen und somit die Verbindung der Stadt mit der nahe gelegenen Ostseeküste zu verbessern. Aus Kostengründen wurde dieses Projekt aber spätestens 1910 aufgegeben. Zu dieser Zeit bestand der Bahnhof aus zwei Hauptgleisen, die beide mit Bahnsteigen versehen waren. Neben dem Empfangsgebäude war in Richtung Rostock ein Güterschuppen angebaut worden. Daneben gab es eine Laderampe sowie einige Nebengleise, die einen Verlade- und Güterverkehr ermöglichten. Auch ein Lokschuppen war errichtet worden, der im Jahr 1903 nochmals erweitert wurde.

Ribnitz hatte zum damaligen Zeitpunkt den Status eines Grenzbahnhofs. Hier verlief die Grenze zwischen Preußen und Mecklenburg-Schwerin. Aufgrund der zunächst vereinbarten Betriebsführung wurden die Lokomotiven in Ribnitz gewechselt. Später entfielen diese Lokwechsel durch vertragliche Regelungen, sodass die Züge ohne Lokwechsel bis Rostock durchfahren konnten.

Durch den Bahnanschluss entwickelte sich Ribnitz in den folgenden Jahren zu einer wirtschaftlich starken Stadt.

Aufwertung zur Hauptbahn und Entwicklung bis 1945

Im Jahr 1926 wurde die Verbindung schließlich zu einer Hauptbahn aufgewertet. Zu dieser Zeit wurde auch das Stellwerk „Rot“, später W2, errichtet. Dieses Stellwerk wurde im Jahr 1991 abgerissen. Heute finden sich davon keine Spuren mehr. Es existiert allerdings noch ein Videofilm zur Funktionsweise und zur Arbeit auf dem Stellwerk.

Im Zuge der Aufwertung zur Hauptbahn wurden auch die Gleisanlagen erweitert. Seitens der Stadt wurde dabei eine Vergrößerung des Empfangsgebäudes angestrebt, was allerdings bei der Reichsbahndirektion Stettin zunächst auf kein Interesse stieß. Damals gab es nicht einmal eine Bahnsteigüberdachung. Diese wurde erst nach längeren Verhandlungen und der Absicherung der Finanzierung im Zuge der Vergrößerung des Bahnhofsgebäudes gebaut. Die Überdachung blieb bis zum vollständigen Umbau des Hausbahnsteigs im Jahr 2023 in ihrer auffallend kurzen Form erhalten.

Die Nachkriegszeit und DDR (1946 bis 1989)

Zusammenlegung von Ribnitz und Damgarten

Nach dem Zusammenschluss der bis dahin selbstständigen Städte Ribnitz und Damgarten im Jahr 1950 erhielt der Bahnhof Ribnitz seine heutige Bezeichnung Ribnitz-Damgarten West. In der DDR wurde das Bahnhofsgebäude nochmals ein wenig verändert. So wurde der Flachbau auf der Ostseite des Gebäudes abgetragen und durch ein längeres Gebäude ersetzt. In diesem war die Mitropa-Gaststätte untergebracht. Sie wurde nach der Wende geschlossen.

Von den Walther-Bachmann-Flugzeugwerken zum Faserplattenwerk

In den 1950er Jahren wurde mit dem Bau des Faserplattenwerks in Ribnitz begonnen. Nach einer später veröffentlichten Darstellung wurde der Grundstein im Dezember 1953 gelegt. Auf dem Gelände hatten sich zuvor Anlagen der Walther-Bachmann-Flugzeugwerke befunden. Auch eine Anschlussbahn soll dort bereits existiert haben. Die Gleise seien nach dem Zweiten Weltkrieg als Reparationsleistung abgebaut und für das Faserplattenwerk erneut verlegt worden.

Die Bahn erwartete bereits in der Planung ein erheblich größeres Güteraufkommen als bisher. Dies sollte sich in den folgenden Jahren bestätigen. Der Umschlag stieg infolge der Errichtung des Faserplattenwerks nach 1970 auf 43.000 Nettotonnen jährlich. Um den Bahnhof bei den Rangier- und Abstelltätigkeiten zu entlasten, wurde parallel zum Streckengleis nach Rostock eigens ein kleiner Vorbahnhof mit jeweils 127 Meter langen Abstellgleisen gebaut. Daran schloss sich die eigentliche Anschlussbahn an. Lesen Sie dazu den separaten Artikel über den Anschluss des Faserplattenwerks, der auch bebildert ist!

Der durch das Faserplattenwerk verursachte Güterumschlag setzte sich hauptsächlich aus Kohlezügen für das Heizwerk – bis zu 700 Tonnen am Tag – und Baumstämmen zur Verarbeitung zusammen. Dreimal in der Woche kamen Containerzüge mit den fertigen Faserplatten vom Anschluss zum Bahnhof Ribnitz-Damgarten West.

Weitere Güteranschlüsse und technische Innovationen

Auch einige andere Anschlüsse, wie der Kohlehandel in Ribnitz, das Agrochemische Zentrum in Damgarten und die Straßenmeisterei Ribnitz, wurden vom Bahnhof Ribnitz-Damgarten West über zum Teil kurze Anschlussgleise bedient. Der Bahnhof selbst wurde in all diesen Jahren nicht wesentlich verändert und blieb fast in seiner Ursprungsausführung erhalten. Lediglich die Drehscheibe am Lokschuppen wurde etwa Mitte der 1970er Jahre ausgebaut und die Standgleise von vier auf zwei reduziert. Der Lokschuppen wurde aber noch über die Wende hinaus zum Abstellen von Fahrzeugen genutzt.

Daneben gab es vor allem zwischen 1979 und 1982 kleinere Veränderungen. So wurde die Gepäckannahme des Bahnhofs vergrößert, die Tankanlage verbessert und der Aufsichtsraum mit übersichtlicheren Tafeln ausgestattet. Zudem bekam die Fahrkartenausgabe zur Unterstützung der Verkäuferinnen den ersten Mikrocomputer (!). Auch ein Fahrkartenautomat wurde zu dieser Zeit in der Bahnhofshalle installiert.

Elektrifizierung nach der Wende und Entwicklung in den 1990er Jahren

Der Fahrdraht erreicht Ribnitz-Damgarten West

Nachdem die Bahnhöfe Rostock und Stralsund ab Mitte der 1980er Jahre nach und nach unter den Fahrdraht kamen, stand auch die Elektrifizierung der Strecke von Rostock nach Stralsund auf dem Plan. Die Vorarbeiten begannen noch zu DDR-Zeiten. Bedingt durch die politische Wende in der DDR konnten die Arbeiten aber nicht wie ursprünglich vorgesehen abgeschlossen werden. So ist auf einem Video vom 3. Oktober 1990 zu sehen, dass für die Oberleitung zu diesem Zeitpunkt nur die Fundamente gegossen waren. Gleichzeitig wurde die Brücke der sogenannten „Judennase“ erneuert. Dabei handelt es sich um einen U-förmigen Straßenverlauf über die Bahngleise. Der elektrische Betrieb auf dem durchgehenden Abschnitt Bentwisch–Stralsund wurde schließlich am 2. Juni 1991 aufgenommen.

Zuvor war bereits der Bahnübergang am östlichen Bahnhofsende geschlossen worden. Zeitgleich mit der Elektrifizierung ging auch ein Umbau des Bahnhofs einher. So wurden die Ausweichgleise in Richtung Damgarten verlängert, sodass nun auch lange Züge abgestellt werden konnten. Gleichzeitig musste die Sicherungstechnik angepasst werden. Da dies mit den alten Stellwerken nicht befriedigend möglich war, entstand an der westlichen Bahnhofseinfahrt, direkt neben der Brücke über den Klosterbach, ein neues Stellwerk mit der Bezeichnung B1. Dieser Bau entstand bereits in Kooperation mit der Bundesbahn. Eingesetzt wurde aber noch DDR-Stellwerkstechnik. Mehr dazu unter dem Punkt Sicherungstechnik.

Geplanter Containerbahnhof am östlichen Bahnhofskopf

Am östlichen Bahnhofsende soll zudem ein Containerbahnhof geplant gewesen sein. Dieser hätte auf dem Gebiet der heutigen Umgehungsstraße entstehen sollen. Ein Relikt aus dieser Zeit existiert noch heute: das stark verlängerte Abstellgleis in Richtung Damgarten am Ende des Bahnhofs. Dieses sollte später vermutlich als Anschlussgleis dienen. Mit der Wende kam dann wahrscheinlich auch für diese Idee das Aus. Nachweisen lässt sich die Planung durch eine Gleisplanstudie aus dem Jahr 1987, in der die neuen Ladegleise für den Containerbahnhof bereits eingezeichnet sind. Ausführlich hat mir zudem ein vor Ort eingesetzter Fahrdienstleiter von dem Vorhaben erzählt.

Planungen für die S-Bahn sowie weitere Veränderungen

Ebenfalls geplant war ein weiterer Bahnsteig zwischen den Gleisen 2 und 4. Dieser sollte zum Zweck der Anbindung von Ribnitz-Damgarten an das Netz der S-Bahn Rostock errichtet werden. Zeugnis davon gaben lange Zeit der große Abstand zwischen den Gleisen 2 und 4 sowie die Absenkung der Oberleitung. Die Oberleitung war bereits vorsorglich so angepasst worden, da hier der Bau einer Brücke geplant war, die jedoch nie realisiert wurde. Ausgerechnet diese Aufweitung zwischen den Gleisen 2 und 4 wurde Jahrzehnte später zu einem wichtigen Zwangspunkt für die Lage des neuen Mittelbahnsteigs und der 2023 eröffneten Personenunterführung.

Bis in die zweite Hälfte der 1990er Jahre blieb der Bahnhof selbst ohne größere Veränderungen. Lediglich die Erneuerung des Bahnsteigs 1 zwischen 1996 und 1998 sowie der Abriss des Mitropa-Anbaus sind als deutlich erkennbare Veränderungen zu nennen. Durch die Neugestaltung des Bahnsteigs wurde das Ladegleis am Güterschuppen abgebunden und der Bereich davor ebenfalls gepflastert.

Im Personenverkehr besaß Ribnitz-Damgarten West in den 1990er Jahren eine erhebliche Bedeutung. Zahlreiche Interregio- und andere Fernzüge hielten hier und stellten direkte Verbindungen unter anderem nach Hamburg, Frankfurt am Main, Saarbrücken und in weitere Teile Deutschlands her. Eine besonders ungewöhnliche Rolle übernahm der Bahnhof während der vollständigen Sanierung des Abschnitts Ribnitz-Damgarten West–Stralsund. Die Arbeiten liefen von 1998 bis 1999; ab 25. September 1998 war die Strecke zeitweise vollständig gesperrt. Mehrere Fernzüge begannen und endeten deshalb bis 1999 in Ribnitz-Damgarten West. Dazu gehörte auch der nächtliche Schnellzug D 350/351 „Arkona“. Die Züge mussten hier wenden, während zwischen Ribnitz und Stralsund gebaut wurde. Die Strecke wurde dabei grundlegend erneuert, vereinfacht und für eine Geschwindigkeit von bis zu 160 km/h ausgebaut. Gleichzeitig entstand das elektronische Stellwerk in Velgast, von dem aus der östliche Streckenabschnitt gesteuert wird.

Die Entwicklung des Bahnhofs Ribnitz-Damgarten West seit dem Jahr 2000

Einstellung des Güterverkehrs sowie Abbau der Ladegleise

Die endgültige Einstellung des Güterverkehrs im Bahnhof Ribnitz-Damgarten West erfolgte zum 2. Februar 2002. An diesem Tag wurde die Güterverladestelle offiziell von der DB AG geschlossen. Verwunderung darüber bleibt angesichts der Tatsache, dass hier bis zum Schluss sehr häufig Holz verladen wurde und es laut Aussage einiger Eisenbahner vor Ort auch nach der Schließung noch Anfragen zu einer Verlademöglichkeit gab. In den folgenden Jahren wuchsen die Anlagen und Ladestraßen langsam zu.

Im Jahr 2007 wurden im Rahmen einer Streckenertüchtigung zwischen Ribnitz und Rostock auch am Bahnhof Ribnitz-Damgarten West einige Veränderungen vorgenommen. Wegen des geplanten Einsatzes neuer Züge und der teilweise schon verschlissenen Technik wurden mehrere Weichen erneuert sowie fast alle Schutzgleise ausgebaut. Die zu diesem Zeitpunkt noch über den Ladegleisen befindliche Oberleitung wurde demontiert. Ein Jahr später folgte durch den Ausbau der Zufahrtsweiche die Abbindung der Ladegleise.

Im Jahr 2010 wurden schließlich alle Ladegleise entfernt. Seitdem liegt das Gelände brach.

Neben den zwei Bahnsteiggleisen verblieben zunächst zwei Ausweichgleise auf der Südseite des Bahnhofs sowie ein Abstellgleis in Richtung Damgarten. Auch die Weiche zum Lokschuppen und das Gleis blieben erhalten. Kurioserweise lag ebenfalls das Anschlussgleis zum Kohlehändler samt Weiche noch. Befahren werden konnte es allerdings nicht mehr, da die Weiche bereits vor einigen Jahren festgelegt worden war. Auch der Wasserturm wurde im Jahr 2010 seiner Kuppel beraubt, nachdem er nach Jahren ohne Funktion stark baufällig geworden war. Obwohl er sich in privater Hand befand, schien sich der Besitzer nicht wirklich dafür zu interessieren. Beim Abriss der Kuppel wäre es beinahe zu einem schweren Unfall gekommen, da sich die Kuppel plötzlich vom Turm löste und unkontrolliert nach unten zu stürzen drohte. Dies konnte durch beherztes Eingreifen der Bauarbeiter verhindert werden.

Erdrutsch 2011

In der Nacht zum 30. Juli 2011 kam es aufgrund wochenlanger Regenfälle an der Westseite des Bahnhofs zu einem Erdrutsch, durch den der Bahndamm am Klosterbach erheblich beschädigt wurde. Dieser Damm durchzieht ein Gelände, das tiefer liegt als die Bahnstrecke. Der Abrutsch ereignete sich direkt an der Einfahrtsweiche, sodass der Bahnsteig 2 und alle Ausweichgleise des Bahnhofs nicht mehr angefahren werden konnten. Daraufhin wurde entschieden, den gesamten Verkehr über das Bahnsteiggleis 1 zu leiten.

Diese Entscheidung wurde von verschiedenen Seiten, auch von Eisenbahnern, kritisch gesehen. Gerade angesichts der Tatsache, dass der Abbruch kurz vor der Weiche stattfand und es auch in den folgenden Tagen und Wochen immer wieder starke Regenfälle gab, kann man wohl von Glück sprechen, dass hier nichts Schlimmeres passiert ist. Es kam zu Verspätungen, da nun alle Zugkreuzungen in Gelbensande oder Ribnitz-Damgarten Ost durchgeführt werden mussten. Knapp einen Monat dauerten die Reparaturarbeiten. Ende August konnten die Züge wieder normal fahren.

Erneuerung von Informationssystemen und Bahnhofsuhren

Ende Juni 2012 wurden in Ribnitz-Damgarten West sogenannte Fahrgastinformationssysteme (FIS) installiert. Dabei handelte es sich um mehrere einzeilige Zuganzeigetafeln. In diesem Zuge wurden auch die alten Bahnhofsnebenuhren der Bauarten Pragotron und BÜRK – mit Ausnahme einer Uhr auf Bahnsteig 2 – ausgetauscht und durch moderne Uhren im DB-Design ersetzt. Als weitere Modernisierungsmaßnahme wurde die Bahnsteigbeleuchtung auf Gleis 2 erneuert. Seit dem Winter 2014 waren die alten Lampen eingezäunt, nachdem das Eisenbahn-Bundesamt ihre Standsicherheit bemängelt hatte. Auch die Gleisfeldbeleuchtung wurde in diesem Jahr komplett entfernt, da sie nicht mehr benötigt wurde.

Im Integrierten Stadtentwicklungskonzept der Stadt Ribnitz-Damgarten wurde die Erhöhung der Attraktivität des Bahnhofs Ribnitz-Damgarten West als Verkehrsknotenpunkt als wesentliche Maßnahme genannt. Vorgesehen waren insbesondere weitere P+R-Parkplätze, eine bessere Anbindung an das Radwegenetz und eine Verbindung zwischen dem Bahnhofsvorplatz, dem Bahnsteig 2 und dem Bereich Ribnitz-Süd beziehungsweise Klosterkamp. Lange Zeit war dafür eine Brücke vorgesehen. Später entschied man sich jedoch für eine Personenunterführung.

Bereits 2014 prüfte die Deutsche Bahn einen Verkauf des Empfangsgebäudes. In den 2020 vorgestellten Planunterlagen zum Bahnhofsumbau war das Gebäude ausdrücklich nicht Bestandteil der Baumaßnahme. Die beabsichtigte Vermarktung beziehungsweise ein Verkauf war wegen des bevorstehenden Umbaus zunächst zurückgestellt worden. Das Empfangsgebäude blieb damit eine eigene, vom Umbau der Bahnsteige weitgehend getrennte Aufgabe.

Eine kurze Besonderheit im Fernverkehr gab es zwischen Dezember 2015 und Dezember 2016. In dieser Zeit wurde der Laufweg des City-Night-Line-Zuges „Sirius“ verändert und über Ribnitz-Damgarten geführt. Mit der Einstellung des City-Night-Line-Verkehrs endete auch dieses Nachtzugangebot wieder.

Vom ersten ICE-Halt bis zum vollständigen Umbau, die Jahre 2018 bis heute

Der ICE kommt nach Ribnitz-Damgarten West

Im November und Dezember 2018 wurde zunächst der Hausbahnsteig provisorisch für den künftigen ICE-Verkehr angepasst. Die Arbeiten liefen vom 12. November bis zum 7. Dezember 2018. Der Bahnsteig wurde auf 55 Zentimeter erhöht und auf 185 Meter verlängert. Während einzelner Bauphasen war das Gleis 1 gesperrt; zeitweise entfielen Halte oder wurden nach Ribnitz-Damgarten Ost verlegt.

Mit dem Fahrplanwechsel am 9. Dezember 2018 hielten erstmals planmäßig ICE-Züge in Ribnitz-Damgarten West. Die bisherige Intercity-Verbindung in Richtung Hamburg, Hannover, Frankfurt am Main und Karlsruhe wurde überwiegend auf ICE umgestellt. Zu Beginn war allerdings nur der Hausbahnsteig ausreichend hergerichtet. Zwei lange Fernzüge konnten deshalb nicht gleichzeitig am Bahnhof halten oder kreuzen. In einzelnen Fällen musste ein Halt nach Ribnitz-Damgarten Ost verlegt und zwischen beiden Bahnhöfen ein Bus eingesetzt werden. Dieser Übergangszustand machte deutlich, dass eine grundhafte Erneuerung des Bahnhofs notwendig war.

Planung des Bahnhofsumbaus

Im Mai 2020 wurde der damalige Planungsstand im Bau- und Wirtschaftsausschuss der Stadt öffentlich vorgestellt. Die Planung war zu diesem Zeitpunkt im Entwurf abgeschlossen und beim Eisenbahn-Bundesamt eingereicht. Die Unterführung sollte in offener Bauweise hergestellt werden. Aufwendige Aussteifungen und Hilfsbrücken sollten gewährleisten, dass der Zugverkehr während der Arbeiten möglichst aufrechterhalten werden konnte. Als entscheidender Standortvorteil erwies sich die bereits vorhandene Aufweitung zwischen den Gleisen 2 und 4. Nur dort war ausreichend Platz für den neuen Bahnsteig, die Treppe und den Aufzug vorhanden, ohne die Oberleitung noch umfangreicher umbauen zu müssen. Gleichzeitig wurde die Unterführung so geplant, dass eine spätere Verlängerung in Richtung Sanitzer Straße und Ribnitz-Süd grundsätzlich möglich bleibt. Die Fertigteilbahnsteige wurden zunächst mit einer Höhe von 55 Zentimetern geplant, sollten aber bei später verändertem Bedarf auf 76 Zentimeter erhöht werden können.

Der eigentliche Umbau

Die eigentlichen Arbeiten begannen im Frühjahr 2022. Bund, Land und Deutsche Bahn investierten gemeinsam rund 15 Millionen Euro. Nach Angaben der Bahn wurde der Bahnhof zu diesem Zeitpunkt im Durchschnitt von etwa 850 Reisenden am Tag genutzt. Während der Bauzeit wurden unter anderem Kabel umverlegt, Gründungen hergestellt, Hilfsbrücken eingebaut und die Oberleitungsanlage angepasst. Zeitweise entstand am Gleis 4 ein Ersatzbahnsteig. Zunächst wurde die neue Personenunterführung unter den Gleisen errichtet. Danach folgten der neue Mittelbahnsteig zwischen den Gleisen 2 und 4 und schließlich der vollständige Neubau des Hausbahnsteigs.

Neueröffnung des Bahnhofs sowie aktuelle Nutzung

Am 6. September 2023 wurde der modernisierte Bahnhof offiziell wiedereröffnet. Der alte schmale Mittelbahnsteig und der niveaugleiche Reisendenübergang wurden entfernt. Die beiden neuen Bahnsteige sind jeweils 350 Meter lang und 55 Zentimeter hoch. Bahnsteig 1 ist höhengleich erreichbar, Bahnsteig 2 über einen Aufzug und eine überdachte Rampe. Hinzu kamen neue Wetterschutzhäuser, digitale Fahrgastinformationsanlagen, moderne Lautsprecher, ein verbessertes Blindenleitsystem und eine energiesparende LED-Beleuchtung. Auch Beschriftungen an Handläufen und weitere Orientierungshilfen für sehbehinderte Reisende wurden vorgesehen. Die Unterführung erhielt durch lokale Künstler eine Gestaltung mit Motiven aus Ribnitz-Damgarten und der Region. Seit dem Umbau können zwei lange Intercity- oder ICE-Züge gleichzeitig am Bahnhof halten.

Im Laufe des Jahres 2025 wurde in einem zuvor leer stehenden Ladenlokal des Empfangsgebäudes ein Video-Reisezentrum eingerichtet. Die Beratung erfolgt dort über eine Videoverbindung zu Bahnmitarbeitern; Fahrkarten können unmittelbar gekauft werden. In einer offiziellen Übersicht der Deutschen Bahn vom Januar 2026 wird Ribnitz-Damgarten als einer von vier Standorten eines Video-Reisezentrums in Mecklenburg-Vorpommern geführt. Damit erhielt das Empfangsgebäude nach längerer Zeit wieder eine sichtbare Funktion für den Fahrkartenverkauf.

Im Fahrplanjahr 2026 ist Ribnitz-Damgarten West weiterhin Fern- und Regionalverkehrshalt. Neben den ICE-Verbindungen verkehren die Züge des Hanse-Express RE 9. Seit Mai 2025 ergibt sich durch die Kombination von Regional- und Fernverkehr wieder ungefähr ein stündliches Angebot zwischen Rostock, Ribnitz-Damgarten und Stralsund. Im Jahr 2026 können bestimmte ICE-Züge auf diesem Abschnitt weiterhin auch mit Nahverkehrsfahrkarten, einschließlich des Deutschlandtickets, genutzt werden. Da sich Fahrpläne und einzelne Zugläufe ändern können, sollten diese Angaben künftig mit einem klaren Fahrplanstand versehen werden.

Betriebliches & Sicherungstechnik vom Bahnhof Ribnitz-Damgarten West

Aktuelle Sicherungstechnik

In Ribnitz-Damgarten West steht ein für den Bahnhof scheinbar zu groß geratenes Stellwerk, das erst Anfang der 1990er Jahre als Neubau errichtet wurde. Es beinhaltet neben dem Stellwerksraum im dritten Stock noch zahlreiche Nebenräume, von denen nicht mehr alle ihrem ursprünglichen Zweck dienen.

Es handelt sich um ein Gleisbildstellwerk der Bauform GS II Sp 64b. Auf dem gesamten Bahnhof finden sich Lichtsignale in Form von Hl-Signalen. Bis zu den Jahresenden 2011 und 2012 wurden durch das Stellwerk zudem noch drei Bahnübergänge gesteuert. Zunächst der Bahnübergang in der benachbarten Ortschaft Borg, eine ehemalige elektrische Halbschrankenanlage der Bauart „b“, die Ende 2011 durch eine moderne EBÜT-Anlage ersetzt wurde. Als zweiter Übergang war bis Dezember 2012 noch der Bahnübergang in der Ribnitzer Richard-Suhr-Siedlung mit einer elektrischen Halbschranke der Bauart „c“ zu bedienen. Auch dieser Übergang wurde durch eine automatische EBÜT-Anlage von Pintsch Bamag ersetzt, wird aber nach wie vor signalgesteuert vom Stellwerk überwacht. Das Gleiche gilt für den Bahnübergang an der L 181 in Richtung Marlow, der bereits beim Streckenumbau im Jahr 1999 erneuert worden war.

Reisendensicherung

Bis zum Bahnhofsumbau 2022/2023 wurde der niveaugleiche Reisendenübergang zwischen Bahnsteig 1 und Bahnsteig 2 örtlich gesichert. Früher geschah dies mittels einfacher Ketten. Im Jahr 2009 wurden die Ketten durch ein massives Tor ersetzt, nachdem immer wieder Menschen unbefugt über die Ketten gestiegen waren und anschließend den Übergang passiert hatten. Bei einer Zugkreuzung musste das Tor zunächst geschlossen werden. Anschließend wurde dem Fahrdienstleiter die Freigabe erteilt, damit dieser den Zug einfahren lassen konnte. Die Kommunikation erfolgte seit Juli 2014 nur noch per Telefon, nachdem die Wechselsprechanlage außer Betrieb gegangen war. Mit dem Umbau wurde der Übergang vollständig entfernt; die Bahnsteige sind seither durch die neue Unterführung miteinander verbunden.

Geplante Erneuerung der Sicherungstechnik

Auch die Stellwerkstechnik soll in den kommenden Jahren grundlegend verändert werden. Die Deutsche Bahn plant, Ribnitz-Damgarten West ebenso wie Gelbensande, Rövershagen, Schwaan und Bützow auf digitale Leit- und Sicherungstechnik umzurüsten. Künftig sollen diese Betriebsstellen von der neuen Digitalen Steuer- und Technikzentrale in Rostock bedient werden. Ein konkreter Termin für die Umstellung in Ribnitz-Damgarten West ist bislang nicht genannt. Bis dahin bleibt das vorhandene Stellwerk B1 ein interessantes Beispiel für die Sicherungstechnik der frühen 1990er Jahre.

Mehr Infos zur Sicherungstechnik gibt es hier auf Stellwerke.info

Gleispläne und Bauzeichnungen

Gleisplan mit den Zuständen von vor 2006 und 2008 (PDF Datei)
Hand gezeichneter Gleisplan (Stand 09.10.1999)
Bauzeichnung vom Empfangsgebäude und der angebauten Gaststätte aus dem Jahr 1957

Bildergalerien

Hier nun die Bilder vom Bahnhof Ribnitz-Damgarten West. Falls Sie über weitere Bilder vom Bahnhof Ribnitz-Damgarten West verfügen, können Sie mir diese gerne zusenden. Sie haben die Möglichkeit, die Bilder direkt hier hochzuladen oder diese alternativ an die E-Mail Adresse bilder@ostseestrecke.de zu senden. Ich freue mich immer über neue Bilder.

Aufgrund der großen Anzahl von Bildern wurde diese in verschiedene Galerien einsortiert. Um die Bilder der einzelnen Galerie anzuzeigen, klicken Sie auf nachfolgenden Überschriften.

1 - Aktuelle Bilder vom Bahnhof Ribnitz-Damgarten West (ab 2007)
2 - Bilder von Umbauarbeiten im Bahnhof Ribnitz-Damgarten West (2007 - 2008)

[Einklappen]
3 - Bilder vom Bahnhof Ribnitz-Damgarten West vom Zeitraum 1990 - 2007
4 - Bilder vom Bahnhof Ribnitz-Damgarten West vom Zeitraum vor 1990
5 - Bilder von der Einsatzstelle Ribnitz-Damgarten

Quellen:
Großmann, Ribnitz-Damgarten, Bahnhöfe A-Z, Blatt 5, Loseblattsammlung, GeraMond Verlag
Goltings, Verkehrsgeschichte der Halbinsel Fischland – Darß – Zingst, Band I, Darß-Verlag
Stadtarchiv Ribnitz-Damgarten
Persönliche Erlebnisse und Erzählungen von Eisenbahnern der Bahnhöfe Ribnitz-Damgarten West und Ost
Protokoll des Bau- und Wirtschaftsausschusses der Stadt Ribnitz-Damgarten vom 26. Mai 2020
Ministerium für Wirtschaft, Infrastruktur, Tourismus und Arbeit M-V / VMV: Bahnhof Ribnitz-Damgarten West umfassend modernisiert, 6. September 2023
Landesregierung Mecklenburg-Vorpommern: Ostseebahnhof Ribnitz-Damgarten West wird modernisiert, 11. März 2022
DB InfraGO: Stationsausstattung Ribnitz-Damgarten West, Stand 6. Juli 2026
Deutsche Bahn: Übersicht Video-Reisezentren, Stand Januar 2026
Deutsche Bahn: Digitalisierungsprojekte Mecklenburg-Vorpommern, Stand März 2026
Fernbahn.de, historische Fernverkehrsdaten
Drehscheibe Online und weitere eisenbahnhistorische Forenbeiträge, jeweils als ergänzende Hinweise gekennzeichnet
Ostsee-Zeitung, verschiedene Beiträge zum Bahnhof und zu den Umbauten
Denkmalliste des Landkreises Vorpommern-Rügen, Stand August 2022