Haltepunkt Teschenhagen

Lagebeschreibung

Der Haltepunkt Teschenhagen liegt zwischen den Bahnhöfen Samtens und Bergen auf Rügen. Der Ort selbst ist heute nur noch ein Ortsteil der Gemeinde Sehlen. Der Haltepunkt liegt etwas abseits vom eigentlichen Ort Sehlen, nahe der Bundesstraße 96. Der Bahnhofsvorplatz ist sehr einfach gehalten und hat nur eine Bushaltestelle vorzuweisen. Das Bahnhofsgebäude selbst ist noch bewohnt, aber auch das einzige Wohnhaus in der näheren Umgebung, da es hier neben dem Haltepunkt nur noch ein Gewerbegebiet gibt.

Geschichte

Ursprünglich war auch der Haltepunkt Teschenhagen mal ein Bahnhof. Er wurde zusammen mit der Bahnstrecke am 1. Juli 1883 eröffnet. So gab es hier neben dem heute noch existenten Personenverkehr auch Güterverkehr. Zeugnis davon ist heute noch die ehemalige Laderampe am östlichen Ende des Haltepunktes. Die Spannung der Oberleitung sowie die Lage der Masten verrät auch, dass das Ladegleis zum Zeitpunkt der Elektrifizierung noch gelegen hat. Zu dieser Zeit waren hier die Bauzuge abgestellt. Später wurde der Bahnhof zur einfachen Blockstelle und Haltepunkt zurückgebaut. Ende der 1990er Jahre verlor der heutige Haltepunkt auch die Funktion als Blockstelle. In diesem Zuge sind alle Signale entfernt und die Bahnübergangstechnik automatisiert worden. Ebenfalls neu gebaut wurde die Zuwegung des Bahnsteigs 1 um den Überweg einsparen zu können. Seither muss ein Umweg über den Bahnübergang genommen werden, um auf den Bahnsteig zu kommen. Spuren im Schotter verraten aber, dass die neue Zuwegung nicht angenommen und nach wie vor die Abkürzung über das Gleis genommen wird. Der Rückbau der sicherungstechnischen Anlagen wurde zum größten Teil nur oberflächlich vorgenommen. So finden sich noch viele Hinweise auf die ehemals besetzte Blockstelle.

Sicherungstechnik und Bedienung

Neben den Blocksignalen wurden vom Blockwärter auch zwei Bahnübergänge bedient. Der eine befindet sich etwas westlich in Richtung Samtens (ehemals mechanische Vollschranke), der andere östlich, in Richtung Bergen auf Rügen. Dieser Überweg ist mit einer Anrufschranke ausgestattet, welche nur bei Bedarf geöffnet wird. Im Stellwerksvorbau des Bahnhofsgebäudes waren ein Blockschrank sowie die Signalhebel (A, B) der Bauart Einheit untergebracht. Zudem befand sich hier auch die Überwachung für den elektronischen Bahnübergang (Posten 15 – Klein Kubbelkow). Bei Störungen am Bahnübergang (Beispielweise öffnete sich die Schranke nach Vorbeifahrt eines Zuges nicht) musste der Blockwärter von der Überwachung aus die Schranke öffnen. Dies durfte erst geschehen, wenn der Zug in Bergen auf Rügen bzw. Teschenhagen eingetroffen und zurückgeblockt worden war.

Die Bedienung des Ladegleises erfolgte mit einer Rangierlok von Bergen auf Rügen aus. Dabei fuhr die Lok zunächst auf dem „richtigen“ Gleis von Bergen auf Rügen bis Teschenhagen und fuhr nach dem Rangieren als Sperrfahrt auf dem linkem Gleis wieder zurück nach Bergen auf Rügen. Das Ladegleis zweigte auf dem linken Streckengleis in Richtung Bergen ab, war durch ein Flankenschutzgleis gesichert und endete direkt an der Rampe.

Auch bei der Zugmeldung war Teschenhagen beteiligt. Nachdem sich der Fahrdienstleiter (Fdl) in Bergen und der Fdl in Samtens gemeldet hatten, meldete sich auch der Weichenwärter (Ww) Samtens und die Blockstelle Teschenhagen. Dabei musste Teschenhagen sich mit „Teschenhagen, Schmidt, Schranke geschlossen“ melden. Die Aussage „Schranke geschlossen“ bezog sich auf die Anrufschranke. War die Anrufschranke noch geöffnet durfte der Blockwärter bei der Zugmeldung nicht “ Schranke geschlossen“ melden und die Zugmeldung war solange unterbrochen, bis der Blockwärter die Anrufschranke wieder geschlossen hatte. Erst danach durfte der Blockwärter sich bei der Zugmeldung mit dem Zusatz „Schranke geschlossen“ melden. War die Zugmeldung schon vollzogen, durfte der Blockwärter die Anrufschranke nicht öffnen. In dieser Situation musste der Blockwärter, auf Anfrage, dem Verkehrsteilnehmer über eine Wechselsprechanlage mitteilen, das ein Zug kommt und die Schranke nicht geöffnet werden kann.

Bei der Zugmeldung bestimmte der Fdl Bergen oder der Fdl Samtens ob der Ww Samtens oder der Blockwärter Teschenhagen die Zugmeldung wiederholte. Bei Halt eines Personenzuges auf Gleis 1 in Richtung Bergen durfte auf Gleis 2 kein Zug in Richtung Samtens durchfahren, da das Gleis über einen direkten Überweg vor dem Empfangsgebäude überquert werden konnte. Es kam deshalb auch vor, das wegen eines haltenden Personenzuges ein InterCity vor dem Blocksignal warten musste, bis der letzte Reisende den Bahnsteig 1 über den Überweg verlassen hatte. In der Regel dauerte eine Fahrt nach der Einfahrt in den Block von Bergen aus knapp 5 Minuten, bis dieser in Teschenhagen eintraf. Aus Richtung Samtens waren es nach Einfahrt in den Block 10 Minuten.

Sobald der Zug von Bergen im Block war musste die mechanische Ortschranke sofort geschlossen werden. Aus Richtung Samtens konnte die Schranke noch ein paar Minuten länger geöffnet bleiben, da ja die Fahrzeit knapp 10 Minuten betrug. Nach dem Schließen der Ortsschranke wurde aus dem Windenbock der Schlüssel entnommen und anschließend in das Hebelwerk gesteckt. Nun konnte das Blocksignal gezogen werden. Nach der Durchfahrt oder Ausfahrt wurde das Signal zurück in die Haltestellung gelegt, das Anfangs-und Endfeld geblockt, der Schlüssel aus dem Hebelwerk entnommen und wieder in den Windenbock gesteckt. Nun konnte die Schranke wieder geöffnet werden. Zum Leidwesen der Autofahrer kam es auch vor, dass sich zwei Züge in Teschenhagen begegneten. Ein Zug aus Richtung Samtens, der andere aus Richtung Bergen/Rügen, der Blockwärter gerade nach Bergen zurückgeblockt hatte und schon der nächste Zug aus der Richtung kam. Dies führte dazu, dass die Autofahrer drei Züge abwarten mussten, da der Blockwärter nicht dazu kam, die Schranken zwischendurch zu öffnen.

Bei Ausfahrt in Richtung Samtens ist auf dem Streckengleis eine Senke zu erkennen. Die Streckenhöchstgeschwindigkeit durch Teschenhagen betrug und beträgt auch heute immer noch 90km/h. Neben dem Stellwerksdienst hatte der Blockwärter die Aufgabe, die Petroleumflaschen an den Blocksignalen zu wechseln. Bis kurz nach der Wende erledigte der Blockwärter auch den Fahrkartenverkauf. Da sich in der Nähe ein kleines Waldgebiet befindet ist es auch zu einigen Zusammenstößen mit Wild gekommen, welche dann ebenfalls den Betrieb beeinflussten.

Seit Umrüstung des Bahnüberganges sowie dem Rückbau der Signale ist der Haltepunkt Teschenhagen unbesetzt. Die Anrufschranke am östlichen Ende des Haltepunktes existiert nach wie vor und wird heute vom Bahnhof Bergen auf Rügen aus gesteuert.

Die Schilderungen des Betriebes stammen überwiegend von Mirko Schmidt, welcher selbst die Blockstelle Teschenhagen bedient hat. Vielen Dank dafür.

Bildergalerien

Hier nun die Bilder vom Haltepunkt Teschenhagen. Falls Sie über weitere Bilder vom Haltepunkt Teschenhagen verfügen, können Sie mir diese gerne zusenden. Sie haben die Möglichkeit, die Bilder direkt hier hochzuladen oder diese alternativ an die E-Mail Adresse bilder@ostseestrecke.de zu senden. Ich freue mich immer über neue Bilder.

Bilder der heutigen Situation

Bilder aus der Zeit der Blockstelle (vor dem Jahr 2000)

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